Alles begann am 24.06.2011 mit der Rettung von Miranda.

Im Frühjahr 2011 erfuhr ich von der bevorstehenden Schlachtung, der Hannoveraner Zuchtstute Miranda.
Miranda war damals 20 Jahre alt. Ihr Züchter wollte sie schlachten lassen, weil die Stute zwei Jahre hintereinander eine Totgeburt hatte. Sie brachte keinen Gewinn mehr, verursachte nur noch kosten.

Dass so ein Pferdeschicksal keine Seltenheit ist, wusste ich damals nicht. Pferdehaltung ist extrem teuer. Wenn ein Pferd nicht mehr nutzbar ist, sei es aufgrund seines Alters oder Gesundheitszustandes, wollen viele Reiter oder Züchter es nur noch loswerden. Ein junges, gesundes Pferd nimmt dann den Platz des nutzlosen Vorgängers ein.
Ich fand das so ungerecht, dass ich alles tat, um Miranda das Leben zu retten. Leider wollte niemand, ein altes, unreitbares Pferd haben. Das Ende vom Lied war, ich hatte plötzlich ein Pferd und keinerlei Pferdeerfahrung.

Miranda war ganz und gar nicht dankbar, als sie am 24.06.2011 auf dem Hof ankam. Sie schrie wie am Spieß und man sah das Weiße in ihren Augen. Hatte sie doch ihr Zuhause, ihre Herde und alles Gewohnte verloren. Nach 20 Jahren.

Beim Züchter hatte sie nicht viel kennen gelernt. Im Sommer stand sie auf einer abgelegenen Weide, im Winter Tag und Nacht in einem geschlossenen Stall.
Miranda war eine hochgezüchtete Stute, hatte Temperament, war groß und Energiegeladen. Sie drehte bei jeder Kleinigkeit durch, weil sie nichts kannte. Ich fühlte mich sehr klein, wenn ich das schnaubende, zitternde Pferd neben mir hatte, das ich zu beruhigen versuchte.
In der Anfangszeit dachte ich oft: „Was hast du getan?“.

Aber es wurde besser. Langsam erarbeitete ich mir den Respekt der Stute. Unser gegenseitiges Vertrauen wuchs und Miranda wurde entspannter. Irgendwann konnte sie gar nichts mehr erschüttern. Ich brauchte kein Halfter und kein Führstrick mehr. Sie gehorchte mir freiwillig.

Natürlich kann man kein Pferd allein halten. Pferde sind Herdentiere und brauchen Artgenossen zum glücklich sein.
Miranda bekam einen Weidekumpel, den alten Wallach Bachus, der auf eine bewegte Vergangenheit blicken konnte. In die Jahre gekommen, nach einigen Besitzerwechseln, mit Arthrose in den Beinen, drohte ihm auch der Gang zum Schlachter.

Bachus war 26 Jahre, als er ebenfalls am 24.06.2011 auf den Hof kam. Der Wallach war ein etwas zu groß geratenes Deutsches Reitpony.

Bachus war stets ruhig und ausgeglichen. Er war froh, hier niemanden mehr auf seinem Rücken tragen zu müssen und genoss über 7 Jahre, seine wohlverdiente Rente bei uns. Einige Monate nach seinem 33. Geburtstag endete sein Leben. Der Wallach war bis zu seinem letzten Tag gesund und fröhlich.

Miranda und Bachus sahen von sich der Fellfarbe und – zeichnung sehr ähnlich. Obwohl Miranda einen edleren Körperbau hatte und größer war als der Wallach, konnten viele Leser sie auf den Fotos nicht auseinanderhalten. So eine ähnliche Situation haben wir heute wieder, mit den beiden Hafis.

Als Bachus starb trauerte Miranda sehr. Wir suchten einen neuen Kumpel für die Stute. Das war allerdings nicht so einfach. Frank Weber, der Leiter des Franziskus Tierheims in Hamburg, half uns dabei und so kam Herr Nielsson am 06.09.2018, begleitet von einem Kamerateam der Sendung „Hund, Katze, Maus“ auf den Hof.

Nielsson war bei seiner Ankunft krank, mager und übel gelaunt.

Miranda hatte sofort Herzchen in den Augen, bei ihr war es Liebe auf den ersten Blick. Nielsson war ein echter Stinkstiefel, biss und trat und wollte von der Stute nichts wissen. Im ersten Jahr war es gefährlich auf die Weide zu gehen, besonders wenn Futter im Spiel war. Ich musste aufpassen, nicht zwischen die Pferde zu geraten.
Miranda trug so einige Blessuren davon.

Sie gab aber nie auf, blieb stets freundlich zu dem Rocker und überredete Nielsson schließlich, sie doch zu mögen. Die beiden wurden gute Freunde und lebten harmonisch zusammen.

Bis am 31.10.2022, Miranda mit 31 Jahren, 8 Monaten und 8 Tagen leider gestorben ist. Nun brauchte Nielsson einen neuen Partner.
Diesmal war es nicht schwierig ein altes Pferd zu finden. Es meldeten sich so viele Pferdebesitzer, wir hätten 100 Pferde aufnehmen können. Astrons Besitzerin war die erste und so kam der Haflinger Wallach zu uns.


Nielsson fand seinen neuen Kumpel vom ersten Moment an super. Astron war von Nielsson auch ganz angetan. Die beiden verstanden sich auf Anhieb.

Wir feiern heute den ersten Jahrestag ohne Miranda und das fühlt sich verdammt komisch an. In den letzten 12 Jahren ist so viel passiert. Viele Menschen sind gekommen und gegangen. Und es gibt immer noch Unterstützer, die von Anfang an dabei sind.
Tierschutz ist oft mühsam und manchmal frustrierend. Es war nicht immer leicht, aber es ist gut so wie es war. Im Tierschutz kann man sich die Tiere nicht aussuchen. Ich habe hier nur von den Pferden berichtet. Es leben aber noch andere Tiere auf unserem Gnadenhof.

Alle haben ihre Geschichte und ihr ganz eigenes Wesen. Mit jedem Tier habe ich viel lernen dürfen, wofür ich unendlich dankbar bin. Ihr habt uns die ganzen Jahre begleitet.
Ich bin dankbar und stolz, dass ihr dieses kleine Tierschutzprojekt seit 12 Jahren unterstützt! Das ihr Anteil nehmt an dem Schicksal der Tiere hier bei uns, die sonst niemand mehr haben möchte.
Lasst uns heute zurück schauen. Mit Dank an Miranda, Bachus, Chica, Campa und die anderen Tiere denken, die vom Himmel auf uns schauen. Ich bin mir sicher, sie freuen sich, dass wir weiterhin mit ganzen Herzen und vollem Einsatz dabei sind und uns für den Tierschutz einsetzen.












Das ist wirklich eine enorme Aufgabe, die du übernommen hast. Und du siehst, selbst der grösste Stinkstiefel (Nilsson) wurde durch die friedlichmachende Susaspähre zu einem guten Kumpel. ❤ ❤ ❤
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Hi, hi, ja was haben wir anfangs mit dem Macho durchgemacht. 🙂 Aber wir haben nie aufgegeben. ❤
LG Susanne
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Hat dies auf Stella, oh, Stella rebloggt und kommentierte:
Mein Lieblingstierschutzverein südlich der Elbe feiert 12-jähriges Jubiläum. Vielleicht hat jemand ein paar Euro übrig, um den Verein zu unterstützen?
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Danke für´s Rebloggen liebe Birgit! 😘
LG Susanne
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Daa nich füäh … 😉
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😀
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Herzlichen Glückwunsch zum Jubi, liebe Susanne❣️
Du hast Da eine enorme Aufgabe, da stimme ich Stella zu. Es gab große Verluste zu beklagen, Bacchus, Miranda, Campa…ich trauere mit Dir um sie und denke, dass sie sehr glücklich bei Dir sein konnten und es auch waren. Mit Marcy kam ein echter Glückskeks dazu- sie ist so bezaubernd wild und kapriziös😉
Ich wünsche Euch immer genug liquide TierfreundInnen, die das tun, was ich so wahnsinnig gerne viel mehr könnte: für genug Futter in der Krippe sorgen, aktiv mithelfen, damit es ein paar altgediente Nutztiere an ihrem Lebensabend gut haben können.
Danke für Dein Miterlebenlassen, die Videos und oft herzzerreißenden Berichte, wenn Du einmal um ein altes Leben und Qualität darin kämpfst.
Herzliche Grüße
Amélie
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Pardon, letzter Satz: *wieder*einmal soll es heissen
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Vielen Dank liebe Amelie! ❤
Das hast Du wieder so schön ausgedrückt. Auch wenn alle recht alt geworden sind, wünschte ich mir sie hätten länger bleiben können. Mit jedem neuen Tier geht es weiter und doch ändert sich so viel. Jedes Pferd, jeder Hund, jede Katze und jedes Schaf ist anders. Bringt neue Energie und manchmal auch Unruhe herein. Doch irgendwann sind sie wieder eine harmonische Gruppe. Mirandas letztes Lebensjahr war für mich anstrengend. Ich habe das alte Mädchen alle 2 Stunden mit Futter versorgt. Das habe ich gern getan und hätte es liebend gern weiter gemacht. Aber dadurch bin ich nicht mehr wirklich zum Bloggen gekommen. Auch muss der Blog dringend aufgeräumt und auf den neusten Stand gebracht werden. Ich hoffe, dass ich jetzt dazu komme, wo Astrons Zahngeschichte überstanden ist. 😀
LG Susanne
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Liebe Susanne, ist kein leichtes Ding, so Sterbebegleitung…
Tierisch kenne ich es noch wenig, doch menschlich. In der Anspannung um all das, was noch drumherum ist, wird alles weggedrängelt. Nur das Wesen, das geht, liebvrrtraut, zählt noch.
Dann kommt das Leben und es holt Dich an Endstation Sehnsucht ab.
Es ist kein leichtes Mitgehen. Aber ein dankbares…
Liebe Grüße
Amélie
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Oh ja, so ist es. Bei mir sinds auch ein paar liebe Menschen die gehen mussten. So fehlen die Vier- und die liebgewonnenen Zweibeiner. Doch das Leben geht erbarmungslos weiter. Der Schmerz geht nicht weg, er wird nur irgendwann erträglicher.
Ich drück Dich ❤
LG Susanne
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