Hallo liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde!
Nachdem wir die emotionale Akte Limerick geschlossen haben, bleiben wir direkt auf der Pferdeweide. Denn heute wollen wir euch die Geschichte von Limericks bestem Kumpel erzählen: Unserem Haflinger-Wallach Astron.
Astron hat vor Kurzem einen ganz besonderen Meilenstein erreicht: Er ist stolze 30 Jahre alt geworden! Ein biblisches Alter für ein Pferd. Doch als er am 8. November 2022 auf den Gnadenhof der Tierhilfe Miranda e.V. kam, stand seine Zukunft unter keinem guten Stern.
Der angebliche „Todesstrafen-Kandidat“
Astron kam damals mit 26 Jahren zu uns. Sein auffälligstes Merkmal: Ein extrem ausgeprägter Senkrücken. Über sein Vorleben wissen wir nicht viel, aber was wir wissen, lässt einen erschauern. Auf seiner vorletzten Station hatte man solche Panik vor ihm, dass er am Ende isoliert auf einer Weide stand. Niemand traute sich mehr an ihn heran. Er sollte deshalb sogar eingeschläfert werden!
Eine Retterin brachte ihn schließlich zu uns – nicht ohne uns schriftlich (!) und eindringlich zu warnen: Astron sei extrem schreckhaft, widersetzlich und völlig unberechenbar. Unreitbar sowieso. Nun, unreitbar ist uns ja völlig egal, bei uns muss niemand mehr einen Menschen auf dem Rücken tragen. Aber das Wort „unberechenbar“ nehmen wir natürlich ernst.

Rod Stewart und Patrick Swayze im Clinch
Als ich Astron in den ersten Tagen beobachtete, stellte ich fest: Schreckhaft war er eigentlich gar nicht. Aber er hatte eine gefährliche Angewohnheit: Im Stall wurde er schnell unsicher und achtete überhaupt nicht auf den Menschen. Wenn er scheute, riss er den Kopf hoch und fegte nur wenige Zentimeter über meinen Kopf hinweg. Ich spürte den Windhauch in meinen Haaren!
Wer mich kennt, weiß: Ich trage eine ähnliche Frisur wie Rod Stewart (der hat sich das übrigens bei mir abgeschaut!). Meine Haare stehen oben immer etwas hoch. Hätte Astron den Kopf nur ein paar Zentimeter tiefer gehabt, hätte er mich glatt K.O. geschlagen.

Da musste ich dem jungen Mann sofort klarmachen: So läuft das hier nicht, mein Freund! Ich erklärte ihm: „Du darfst dich gern erschrecken, du darfst zur Seite springen, du darfst aus dem Stall laufen – aber niemals dorthin, wo ich stehe!“ Ihr kennt doch sicherlich den Film „Dirty Dancing“? Da gibt es diese legendäre Szene, in der Patrick Swayze erklärt: „Das ist mein Tanzbereich und das ist dein Tanzbereich.“ Genau das habe ich Astron auch beigebracht: „Wenn du in meinen Tanzbereich möchtest, dann hast du vorher höflich anzufragen!“
Und siehe da: Nach nur zwei, drei Wiederholungen hatte der Haflinger es kapiert. Er ging plötzlich extrem respektvoll mit mir um – und seltsamerweise war damit auch seine Unsicherheit im Stall wie weggeblasen. Er brauchte einfach nur eine klare, faire Grenze, um sich sicher zu fühlen.
Harmonie pur: Das doppelte Hafi-Glück
Damals hatten wir bereits einen Haflinger-Senior auf dem Hof: Den 27-jährigen Herrn Nielsson. Wir waren anfangs extrem vorsichtig, denn als Herr Nielsson 2018 zu uns kam, war er ein ziemlicher Rüpel – da flogen bei der Zusammenführung mit Miranda erst mal die Fetzen!

Deshalb teilte ich die Weide am Anfang mit einem Zaun ab. Doch die beiden Blondies belehrten uns eines Besseren. Schon in der ersten Nacht graste jeder entspannt auf seiner Seite. Kein Quitschen, kein Treten. Also riss ich den Zaun bereits nach vier Tagen komplett ein.

Und was passierte? Absolut nichts! Die beiden Hafis passten zusammen wie Topf und Deckel. Sie schienen sich gesucht und gefunden zu haben. Harmonie pur! Sie fraßen nebeneinander aus „einem Topf“, obwohl es zwei Raufen im Stall gab, und Astron ließ sich selbst von unseren kreischenden Hofkatzen beim Frühstück nicht aus der Ruhe bringen. Am ersten Tag konnte ich Astron aus der Ferne noch gut an seinem Senkrücken erkennen – doch am nächsten Morgen stand er so stolz und entspannt da, dass sein Rücken plötzlich ein ganzes Stück höher wirkte.

Astron war endlich angekommen. Doch gerade als wir dachten, wir könnten durchatmen, schlug das Schicksal zu. Nach dem Motto „Neues Pferd, neue Sorgen“ bemerkte ich, dass Astron beim Fressen komisch speichelte und Heuwickel ausspuckte. Das war der Beginn eines wochenlangen, dramatischen Medizin-Marathons…
Morgen in Teil 2 erzählen wir euch vom großen Zahn-Drama, warum ich Astron wochenlang literweise Eiter ohne Halfter aus dem Kinn spülen musste und was an dem Morgen passierte, als plötzlich das Blut schoss. Seid morgen wieder dabei!














































































































































































