Wie ihr wisst, ist unser Gnadenhof eigentlich ein Ort für den wohlverdienten Ruhestand. Hier dürfen alte, unreitbare Pferde einfach nur Pferd sein, die Seele baumeln lassen und ihr Rentnerdasein genießen. Soweit die Theorie. In der Praxis haben wir allerdings Limerick.

Unser 23-jähriger Irish-Sport-Horse-Wallach hat in seinem früheren Leben als erfolgreiches Springpferd im großen Sport einiges erlebt. Das hat leider Spuren hinterlassen. Seine Zwangsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten äußern sich auch in einem extremen Juckreiz. Limerick scheuert sich für sein Leben gern. Dass er dabei regelmäßig die hofeigene Infrastruktur zerlegt, gehört mittlerweile fast schon zu unserem Alltag. Finanziell und arbeitsmäßig bringt uns der charmante Riese damit regelmäßig an unsere Grenzen. Aber was er sich am Wochenende geleistet hat, verdient einen eigenen Statik-Preis.
Das Projekt: Offenstall 2.0 (Unfreiwillig)
Limerick hat eine neue Lieblingsstelle zum Jucken entdeckt: den tragenden Holzpfeiler direkt links am Eingang unseres Offenstalls. Wo andere Pferde sich dezent kratzen, legt sich ein ehemaliges Leistungssport-Pferd eben mit voller Wucht ins Zeug. Das Ergebnis? Der Pfeiler war unten komplett durchgebrochen und die gesamte Außenwand ein ordentliches Stück nach außen gedrückt. Da, wo täglich die Pferde rein- und rausmarschieren, war es plötzlich brandgefährlich.


Also hieß es: Notfall-Reparatur statt Sonntagsruhe. Bewaffnet mit schwerem Gerät und einem großartigen freiwilligen Helfer ging es an die Arbeit.


Um den zwei Meter breiten Eingangsbereich nicht zum Einsturz zu bringen, mussten wir die Konstruktion zuerst sicher abstützen, bevor wir den Pfeiler austauschen und die Wand wieder in die Senkrechte rücken konnten.

Der Bauleiter mit der Unschuldsmine
Damit uns die Rentnergang während der schweißtreibenden Arbeiten nicht dazwischenfunkt, hatte ich den Paddock kurzerhand mit einer Zaunlitze abgesperrt. Zutritt zur Baustelle verboten!

Und was macht unser hofeigener Abrissunternehmer? Er stand die ganze Zeit in der ersten Reihe!

Auf den Fotos, die ich während der Aktion gemacht habe, sieht man es ganz genau: Limerick steht mit der absolut reinsten Unschuldsmine der Welt, direkt hinter der Absperrung. Die Ohren gespitzt, der Blick hochinteressiert. Er hat uns quasi im Sekundentakt kontrolliert und sah dabei aus, als wollte er sagen: „Ich weiß gar nicht, was ihr habt. Ich habe nur gelüftet!


„Und habt ihr die Schraube da drüben auch richtig festgezogen?“

Der Stall steht wieder, die Wand ist gerade und der Pfeiler hält (hoffentlich) dem nächsten Juckreiz stand. Es ist diese unermüdliche Arbeit im Hintergrund – und die ständigen Reparaturkosten für solche Extratouren, die unseren Hof fordern. Aber wenn man dann in diese treuen, leicht frechen Schlingel-Augen blickt, weiß man genau, warum man den Hammer überhaupt in die Hand genommen hat.
Ein riesiges Dankeschön an unseren fleißigen Helfer! Ohne ehrenamtliche Unterstützung wie diese wäre unser Hof absolut aufgeschmissen.






























































































































































