Nachdem wir euch gestern von Limericks gefährlichen Panikattacken auf der Weide erzählt haben, widmen wir uns heute im dritten Teil dem Ort, der für die meisten Pferde eigentlich ein sicherer Hafen ist – für Limerick aber anfangs der blanke Horror war: Der Stall.

Limerick kam im tiefsten Winter zu uns auf den Gnadenhof der Tierhilfe Miranda e.V.. Und im Winter müssen die Pferde zum Fressen nun mal rein in den geschützten Stall. Für ein Pferd, das jahrelang unter strikten, stressigen Routinen in Sportställen gelebt hat, war der Stall jedoch mit purer Enge und Kontrollverlust verknüpft.
Flucht mit vollem Maul und zentnerweise Heu-Verschwendung
Sein Ablauf in den ersten Monaten sah jeden Tag gleich traurig aus: Limerick ging gestresst in den Stall, riss sich panisch ein Maul voll Heu ab und rannte sofort wieder raus auf den Paddock. Dort kaute er, lief wieder rein, holte den nächsten Happen und flüchtete wieder nach draußen.

Das bittere Ergebnis? Er verteilte das teure Heu jeden verdammten Tag auf dem gesamten Paddock und im Stall. Es wurde zertreten, matschig und war unbrauchbar. Es war eine immense Futterverschwendung, die uns logistisch und finanziell wehtat – aber wir wussten, dass wir ihm diese Zeit geben mussten.

Seine Angst vor dem geschlossenen Raum war so gigantisch, dass er im strömenden Regen und sogar bei dickem Hagel draußen auf dem Paddock stehen blieb. Er senkte den Kopf, ich sah ihm an, dass es ihm unangenehm war. Er hätte nur zwei Schritte gehen müssen, um im trockenen, gemütlichen Stall zu stehen. Aber die Angst in seinem Kopf war größer als der Hagel auf seiner Haut.
Die Heucobs-Brücke und ein nächtliches Wunder
Heute ist das Geschichte. Limerick liebt seinen Stall inzwischen abgöttisch! Er hat gelernt, dass ihm hier drin niemand mehr etwas Böses will. Wenn ich heute den Stall miste, ist er mein treuer Schatten. Ich kann sogar unter ihm mit der Dunggabel herumhantieren, er bleibt stehen und wartet tiefenentspannt bis ich fertig bin.
Um seinen Frieden mit dem Stall zu festigen (und um Futterneid zu vermeiden), bekommt er im Winter genau wie unser Haflinger-Senior Astron eine Extraportion eingeweichte Heucobs. Astron braucht sie wegen seines Alters dringender, aber Limerick schlemmt natürlich solidarisch mit.
Und genau bei so einer Heucobs-Fütterung passierte im ersten Winter etwas, das ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Es war spät in der Nacht, ich machte die letzte Kontroll- und Futterrunde im Dunkeln. Als ich den Stall mit betrat und die Raufen füllte, passierte etwas Ungewöhnliches: Limerick zeigte überhaupt kein Interesse am Futter. Stattdessen lief er unruhig im Stall herum, schnupperte am Boden, scharrte mit einem Vorderbein. Steuerte dann direkt auf mich zu – und legte sich plötzlich mit einem tiefen, schweren Seufzer direkt neben mir auf dem Boden ab!
Im ersten Moment blieb mir fast das Herz stehen. Jeder Pferdebesitzer denkt bei so einem plötzlichen Verhalten sofort an eine lebensgefährliche Kolik. Doch als ich ihn ansah, verstand ich: Dieses Pferd war einfach unendlich müde. Er hatte sich in den Monaten zuvor bei uns nie hingelegt. Er hatte schlichtweg nicht geschlafen. Und in dieser kalten Winternacht spürte er zum allerersten Mal: „Ich bin in Sicherheit. Dieser Mensch passt auf mich auf.“ Er nutzte mich als seinen persönlichen Nachtwächter, schloss die Augen und schlief tief und fest. Mir liefen vor Rührung einfach nur die Tränen über die Wangen.
Limerick hat Monate gebraucht, um die Angst vor den vier Wänden zu verlieren. Aber dieser eine Moment im Stroh war der Beweis, dass sich jeder Kampf, jede Geduld und jedes bisschen verschwendetes Heu gelohnt hat.

Morgen im vierten und letzten Teil kommen wir zu einer ganz besonders skurrilen Baustelle von Limerick: Wir werfen einen Blick in seinen erschreckenden Impfpass und erzählen euch von seiner unheimlichen „Schubber-Trance“, aus der ich ihn heute mit einem ganz bestimmten Trick befreien kann. Schaltet morgen wieder ein!




































































































































































