Wie doch die Zeit vergeht. Heute vor einem Jahr, kam Astron zu uns auf den Gnadenhof.

Astron landete im Tierschutz, weil seine Besitzerin Angst vor ihm hatte und er eingeschläfert werden sollte. Wie man uns erzählte, stand der Wallach einige Zeit auf einer Weide und niemand traute sich mehr an ihn heran.
Er lebte dann einige Zeit bei einer Frau, die ihn letztes Jahr zu uns brachte. Astron war da 26 Jahre alt, hatte einen Senkrücken und war unreitbar. Bei uns braucht er auch niemanden auf seinem Rücken herumtragen. Hier genießt er seine Rente.

Wir wurden gewarnt, Astron sei sehr schreckhaft. Was ich allerdings nicht so feststellen konnte. Anfangs war er natürlich etwas unsicher, aber das ist für das Fluchttier Pferd, in neuer Umgebung nicht ungewöhnlich.
Schließlich war ja alles neu für ihn.
Neue Menschen, neuer Stall, andere Umgebung, neuer Weidekumpel und andere Tiere, die auf dem Gnadenhof herumliefen. Dafür machte Astron alles sehr gut. Mit Miranda hatte ich in der Anfangszeit ganz andere Sachen erlebt.
Die Vergesellschaftung mit Nielsson funktionierte auch wunderbar. Bereits nach 2 Tagen konnten wir den Zaun abbauen und die Pferde zusammen lassen.

Mir fiel nur auf, dass Astron im Stall schnell unsicher wurde und dabei nicht auf mich achtete. Das gefiel mir gar nicht. Ich konnte mir nun gut vorstellen, dass es Menschen gab, die Angst vor ihm hatten.
Es geht nicht, dass ein Pferd nicht auf den Menschen achtet. Das ist eine Respektlosigkeit, die schnell gefährlich für uns Menschen werden kann. Ich machte ihm also gleich klar, so läuft das nicht mein Junge. Egal was ist, du hast auf mich zu achten!
Ich erklärte ihm, du darfst dich gern erschrecken, du darfst zur Seite springen, aber nicht zu der wo ich stehe. Egal was auch immer ist, du achtest auf mich mein Freund, sonst bekommen wir mächtig Ärger miteinander!
Ihr kennt sicher den Film „Dirty Dancing“? Da gibt es eine Szene, wo Patrick Swayze seinem Baby erklärt: „Das ist mein Tanzbereich und das ist dein Tanzbereich…“. So habe ich auch Astron erklärt, wenn du in meinen Tanzbereich möchtest, dann hast du vorher höflich zu fragen.
Nach zwei, drei Wiederholungen, hatte Astron kapiert und ging nun sehr respektvoll mit mir um. Seltsamerweise war damit auch seine Unsicherheit verschwunden.
Seitdem konnte ihn nichts mehr aus der Ruhe bringen.

Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass mit dem Wallach etwas nicht stimmte. Sein Blick war seltsam leer, nach innen gekehrt. Er kaute komisch, brauchte sehr lange, bis er seinen Eimer Horse Alpin Senior aufgefuttert hatte und speichelte sehr viel.
Astron nahm Leckerlis mit den Schneidezähnen und nicht mit den Lippen, wie das Pferde eigentlich machen. Meine Hand und Klamotten waren hinterher immer ganz nass vom vielen Speichel.


Da ich die Info hatte, Astrons Zähne seien gerade erst gemacht worden und in Ordnung, konnte er eigentlich kein Zahnproblem haben. Ich wollte das Pferd weiter beobachten. Schließlich kannte ich den Wallach ja noch nicht.
Jedes Pferd verhält sich anderes. Es konnte ja auch seine Art sein, Futter mit den Vorderzähnen zu nehmen. Mir fiel allerdings auf, dass er Graswickel drehte. Waren die Zähne doch nicht in Ordnung?

Im Dezember 2022 stellte der Wallach dann komplett das Fressen ein. Der herbeigerufene Tierarzt fand einen entzündeten Wackelzahn, den er zog.

Gut eine Woche später ging das Drama erst richtig los.
Ein Abszess im Unterkiefer öffnete sich nach außen. Über 4 Monate floss aus der Wunde dicker, stinkender Eiter. Der ganze Kiefer war vereitert. Der Wallach musste unheimlich Schmerzen gehabt haben.
Astron war super brav und ließ sich täglich die Wunde von mir spülen. Obwohl ich kein Halfter aufziehen konnte, weil die Wunde genau unter dem Nasenband gelegen hätte. Ich hielt Astron einfach meine linke Hand hin und er legte sein Kinn hinein. Astron ließ seinen Kopf in meiner Hand liegen, bis ich die Wunde gespült hatte.
Lange hatte Astron Probleme mit dem Kauen. Heu fressen ging gar nicht, er musste mit Heucobs gefüttert werden. Im Mai / Juni auf der Weide, drehte er Graswickel. Das ist zum Glück allmählich besser geworden. Momentan füttern wir Heu und ergänzend Heucobs.
Nach dem Zahnziehen war Astron total auf mich fixiert. Als ob er verstanden hat, dass ich ihm helfen konnte. Seitdem klebt er förmlich an mir. Astron ist super lieb, sanft, menschenbezogen und sehr gesprächig.
Er will immer kuscheln und antwortet, wenn ich mit ihm rede. Ich kann nur sagen, der Wallach ist mir ganz schnell ans Herz gewachsen.













Liebe Susanne, es ist einfach toll, wie Du mit Tieren umgehst. Astron ist sicher froh, dass er bei Dir sein Rentenalter verbringen darf.
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Hallo Peter,
Astron macht einen ganz zufriedenen Eindruck.
LG Susanne
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Früher oder später fressen sie dir alle aus der Hand!
Vielleicht hat dein festes, wenn auch freundliches Auftreten Astron die Unsicherheit genommen. Wenn man hysterisch reagiert, hilft das ja auch nicht gerade. Aber das ist zum Glück nicht deine Art … 😉 ❤
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Das glaube ich auch. Mit meiner Selbstsicherheit konnte ich wiederum Astron Sicherheit geben. Er ist sehr schlau, lernt sehr schnell und orientiert sich an meinem Verhalten.
LG Susanne
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Da kann man mal sehen, wie es laufen kann, wenn jemand etwas von Tieren versteht und sich auch genügend Zeit nimmt. Manchmal hat man den Eindruck, daß manche Menschen zu schnell aufgeben, wenn es mit einem Tier mal unbequem wird. Es gibt auch andere, zum Glück. Toll, daß du Astron so gut helfen konntest und wie vertrauensvoll er das alles mitgemacht hat. Echt schön ♥ LG Almuth
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Den Eindruck habe ich auch. Wenn ein Tier nicht so funktioniert wie sich der Mensch das vorstellt, kommt es weg. Im Tierschutz kann man sich das Tiere ja nicht aussuchen. Da kommt ein Tier, man muss es erst kennen lernen und dann einen Weg finden, wie man harmoniert. Wir können nicht aufgeben, müssen sehen, wie wir mit dem Tier zurecht kommen. Ich würde mir wünschen, Pferde könnten bis zum Schluss bei ihren Besitzern bleiben. Nicht nur so lange bis sie dem Reiter oder Züchter nicht mehr dienen können.
LG Susanne
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Ja, das wäre schön. Ist schon merkwürdig, wie manche Menschen Tiere wahrnehmen. Man gibt ja auch in der Regel sein Kind nicht ab, wenn es nicht so funktioniert, wie gewünscht. Ich hoffe auf Besserung, aber die anderen sterben sicher nicht aus! LG
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