Tierhilfe Miranda – ein Jahr ohne Miranda

Heute vor einem Jahr ist Miranda gestorben.

Die ehemalige Hannoveraner Zuchtstute wurde 31 Jahre, 8 Monate und 8 Tage alt.

Eines der letzten Fotos von Miranda, im Oktober 2022.

Miranda ist für ein Großpferd sehr alt geworden. War bis ins hohe Alter gesund und hatte Freude am Leben. Dabei sollte sie bereits mit 20 Jahre geschlachtet werden, weil ihr Züchter sie für zu alt hielt.

Er meinte das Pferd hätte ausgedient und gehöre zum Schlachter. Nur weil Miranda zwei Totgeburten hatte. Damit wurde sie von der Gebärmaschine, die ihm viel Geld einbrachte, zum unnützen Fresser, den er nur noch loswerden wollte.

Miranda hatte Glück, ich rettete ihr damals das Leben.

Am 24. Juni 2011 nahm ich die Stute zu mir, weil niemand sonst das alte und unreitbare Pferd haben wollte.

Mirandas Ankunft.

Ich sprang damit ins kalte Wasser, denn Miranda war mein erstes Pferd. Ich musste viel lernen. Aber auch die Stute musste lernen. Sie hatte bei ihrem Züchter kaum etwas erlebt und kennengelernt.

Hier war plötzlich alles anders. Fremde Umgebung, fremde Menschen. Ein Offenstall, viel mehr Freiheit. Miranda drehte bei jeder Kleinigkeit durch und ich versuchte sie zu beruhigen.

Hier hörte sie z.B. ihre Tochter und Enkeltöchter wiehern. Ihre alte Herde stand hinter dem Wäldchen. Sie konnte die Stuten hören, aber nicht sehen. Miranda antwortete, wollte zu ihnen und regte sich furchtbar auf. Ich befürchtete sie würde durch den Zaun gehen.

Wenn Miranda sich aufregte, wurde ihr Körper gleich einen halben Meter größer.

Anfangs war es schwierig, ich musste oft mein Hasenherz in die Hand nehmen und mich in Situationen begeben, die nicht ungefährlich waren.

Aber wir wuchsen zusammen und als sich das Vertrauen aufgebaut hatte, waren wir ein tolles Team.

Miranda vertraute mir blind und ich ihr ebenso.

Sie gehorchte mir frei, ich brauchte so gut wie nie ein Halfter. Sie reagierte einfach auf meine Körpersprache.

Kommst du mit mir mit? Frei folgen ohne Halfter und Führstrick.

Mirandas Rettung war der Anlass im Jahr 2015, einen gemeinnützigen Tierschutzverein zu gründen, dem sie ihren Namen gab: „Tierhilfe Miranda e.V.“

Die Stute überlebte ihren alten Weidekumpel Bachus, ein etwas zu groß geratenes Deutsches Reitpony.

Sie bekam im September 2018 einen neuen Partner, den frechen Haflinger Wallach Herr Nielsson.

Krank und mager, so kam Nielsson zu uns.

Es dauerte ein Weilchen, bis die beiden Freunde wurden. Das lag aber allein an Nielsson, Miranda war sofort verliebt in den blonden Kerl.

Nielsson war nicht gerade freundlich zu Miranda.

In ihrem letzten Lebensjahr waren Mirandas Zähne funktionslos.

Einige waren ausgefallen, andere mussten gezogen werden. Die übrig gebliebenen hatten entweder keinen Gegenspieler mehr oder waren so weit runter, dass sie damit nicht mehr kauen konnte.

Ein gezogener Zahn.

Miranda konnte mit ihren Zähnen weder Heu noch Gras gut genug zermahlen, damit der Darm die Nährstoffe hätte aufnehmen können. Die Stute war jetzt vollkommen von mir abhängig und von einer Fütterung mit genügend Heucobs.

In ihrem letzten Lebensjahr fütterte ich Miranda alle zwei Stunden mit Heucobs. Nielsson sollte auf tierärztlichen Rat ebenfalls Heucobs bekommen. So verbrauchten wir einen Sack Heucobs am Tag. Das war unheimlich teuer und arbeitsaufwendig.

Damals spendeten viele liebe Tierfreunde, sonst hätten wir die Kosten gar nicht tragen können. Ohne diese gute Versorgung, wäre Miranda am vollen Trog verhungert und Nielssons Gesundheitszustand hätte sich nicht stabilisieren können.

Ich bin die einzige Aktive in unserem Verein, musste die Pferde allein versorgen und alle zwei Stunden füttern. Das habe ich auch sehr gern getan, denn Miranda war meine Freundin. Ich habe sie so sehr geliebt und hätte mir gewünscht, sie hätte noch länger bei uns bleiben können. Die Pferde wurden zu meinem Lebensinhalt.

Aber ich stand auch permanent unter Strom.

Hatte immer nur die nächste Fütterung im Kopf, konnte den Hof kaum verlassen. Ich hatte weder Freizeit, noch Kontakte. Konnte mal schnell zum Einkaufen huschen. Musste aber zusehen, dass ich zur nächsten Fütterung wieder zurück war.

Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie stressig das war. Und es ging ein ganzes Jahr so. Winter – Frühling – Sommer – Herbst. Immer nur Heucobs einweichen, quellen lassen, füttern, nächste Portion einweichen, quellen lassen, füttern, usw.

Dazwischen versuchte ich meine anderen Aufgaben, so gut es ging, zu erledigen. Natürlich blieb viel liegen, wo ich heute noch dabei bin, das aufzuarbeiten.

Das war die Zeit, wo ich nicht mehr regelmäßig zum Bloggen kam. Ich musste irgendwo Abstriche machen. Früher hatte ich beinahe jeden Tag von unseren Tieren berichtet, Jetzt schaffte ich das nicht mehr.

Leider haben mir das wohl einige Leser übel genommen oder man gerät in Vergessenheit, wenn man nicht mehr täglich schreibt? Vielleicht hat es auch mit Mirandas Tod zu tun? Miranda ist gestorben, aber die „Tierhilfe Miranda“ lebt weiter. Ihren Platz hat ein neues Pferd bekommen, das auch unsere Hilfe braucht.

Wie auch immer, die Beteiligung hier hat seitdem enorm nachgelassen. Kaum jemand quält sich noch ein „Like“ heraus. Kommentare gibt es wenige. Ob das hier überhaupt jemand ließt? Keine Ahnung.

Ich würde mich freuen, wenn ihr das Projekt auch ohne Miranda weiter unterstützen würdet.

Mit Mirandas Tod endete für mich abrupt die anstrengende Zeit. Aber nur vorübergehend, wie sich herausstellen sollte.

Miranda war tot und plötzlich musste ich nicht mehr alle 2 Stunden füttern. Aber ich kam nicht runter… In mir klingelte alle zwei Stunden eine innere Uhr. Doch ich brauchte ja gar nicht füttern. Der innere Druck blieb, ich fühlte mich wie aufgezogen.

Die Sorgen waren aber auch nicht vorbei, denn nun war Niellson allein und drehte am Rad.

Es musste ein neuer Kumpel für den Wallach gefunden werden. Das ging glücklicherweise ziemlich schnell.

Astron kam zu uns und die Vergesellschaftung verlief zum Glück friedlich.

Nielsson und Astron lernen sich kennen.

Leider stellte sich heraus, das Astron mit einem vereiterten Kiefer zu uns gekommen war. So ging die Fütterung mit Heucobs wieder von vorne los.

Dem Wallach wurde ein Zahn gezogen, ein Abszess öffnete sich und es floss monatelang Eiter aus. Ein gutes halbes Jahr dauerte es, bis Astron wieder normal fressen konnte.

Es geht immer weiter, auch wenn Miranda nicht mehr bei uns ist.

Das war jetzt das erste Jahr ohne Miranda.

Ich denke jeden Tag an sie und werde sie nie vergessen. Sie war mein erstes Pferd, sie war meine Seelengefährtin, meine beste Freundin. Ich kann das gar nicht in Worte ausdrücken, was sie für mich war. Sie fehlt mir so sehr.

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About Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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20 Responses to Tierhilfe Miranda – ein Jahr ohne Miranda

  1. So ein schöner Rückblick! Viele Grüße Hedwig

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  2. Ich kann dich so gut verstehen, liebe Susanne! Fühl dich gedrückt! ❤

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  3. Avatar von Harry Harry sagt:

    Servus Susanne bin Stolz auf dich soviel Einsatz für alle deiner Tier. Leider kann ich dir nur finanziell helfen. Wünsche dir noch viele gesunde Jahre, Kraft von deinen großen Herz
    Liebste Grüße mit Bussi dein Harry aus Österreich

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    • Lieber Harry,
      danke für Deine Worte! ❤
      Du bist eine wirklich treue Seele. Bist schon so lange an unserer Seite. Hast das Projekt so oft mit Deiner wertvollen Hilfe unterstützt. Auch als wir ganz dringend Spenden brauchten, um die Mengen an Heucobs zu kaufen, die Miranda zum Leben brauchte, warst Du dabei. Ich danke Dir von Herzen und wünsche Dir ebenfalls alles Gute und viel Gesundheit! ❤
      Liebe Grüße und Bussi nach Österreich
      Susanne & die Vierbeiner

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  4. Avatar von Claudia Hübner Claudia Hübner sagt:

    Ich lese immer deinen Beitrag. Auch wenn ich selten kommentiere. Finde das ganz großartig was du machst.

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  5. Avatar von diane frank diane-frank sagt:

    Ich empfinde ganz viel Respekt für deine Aufopferung und kann deine Seelenverbindung mit Miranda gut nachvollziehen. Auch nach einem Jahr berührt diese Geschichte mich ganz tief. Ich wünsche dir ganz viel Kraft. ♥️liche Grüße, Diane

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  6. Avatar von Antje Antje sagt:

    Es ist großartig, was Du täglich für die Tiere leistest. Insbesondere die Pferde benötigen sicher viel körperlichen Einsatz. Schön, das Herr Nielsson und Astron so wunderbar zusammenpassen. Mögen die Beiden (und natürlich auch alle andern Tiere) noch viele Jahre bei dir gemeinsam verbingen dürfen.

    Liebe Grüße
    Antje

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    • Vielen Dank liebe Antje, auch für Deine regelmäßige Hilfe! Bist ein Schatz! ❤
      Es ist nicht immer alles leicht. Pferde zu versorgen ist mit viel körperlich schwerer Arbeit verbunden. Wenn das Pferd alt wird, steigen der Arbeitseinsatz und die Kosten noch mal erheblich. Das ist auch der Grund, weshalb kaum ein Reiter bereit ist, sein altes Pferd zu behalten. Wenn es nicht mehr nutzbar ist, muss ein neues her. So landet das Pferd wenn es Glück hat, beim Tierschutz. Wer weniger Glück hat, geht zum Schlachter.
      Als Miranda gestorben ist haben wir nach einem neuen Kumpel für Nielsson Ausschau gehalten. Ich hätte über 100 alte, unreitbare Pferde aufnehmen können. So viele Menschen haben sich bei mir gemeldet, ich verlor den Überblick und entschied mich für Astron, weil seine Besitzerin die erste war die sich gemeldet hatte. Mein Wunsch ist, dass jedes Pferd bis zum Ende bei seinem Besitzer bleiben dürfte. Pferde hängen an ihren Menschen, sie bauen eine feste Beziehung auf, ähnlich wie Hunde. Ich finde man ist ihnen schuldig bis zum Ende mit ihnen zu gehen.
      LG Susanne

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  7. Avatar von Angela Angela sagt:

    Meine Güte, was die Zeit vergeht. Schöner Rückblick – tolle Erinnerungen und immer mit viel Herzblut. Weiter so! Liebe Grüße Angela

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  8. Avatar von pflanzwas pflanzwas sagt:

    Du machst das wirklich toll und es ist unglaublich zu lesen, wieviel Arbeit du zeitweilig mit den hilfsbedürftigen Tieren hast. Das dir Miranda fehlt, fühlt man, wenn man deinen Beitrag liest. Sie war ja auch ein besonders liebes Pferd ♥ Ich bin in den letzten Monaten selber viel seltener in der Blogwelt unterwegs. Oft besuche ich nur ein paar Blogs / Seiten und bin dann schnell wieder weg. Je weniger Beiträge, umso mehr sinkt auch die Aufmerksamkeit fürchte ich, aber wie es aussieht, hast du auch eine Stammleserschafft und Unterstützer, die sich nicht immer zu Wort zu melden. Ich hoffe jedenfalls auch, daß es für dich und die Tiere gut weitergeht. Etwas tatkräftige Unterstützung wäre auch nicht schlecht, aber die ist wohl nicht in Sicht oder? Ich drück die Daumen! Alles Liebe und Gute
    Almuth

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