Wie sind eure Tiere durch die Silvesternacht gekommen? Hier war es der reinste Horror! Es gibt doch einen Spruch. Der heißt glaube ich, „Keiner kann in frieden leben, wenn es der Nachbar nicht zulässt“, oder so ähnlich? In der Nacht musste ich an diesen Spruch denken.
In dem Nachbarhaus wohnten schon die unterschiedlichsten Menschen, aber niemals erlebte ich so etwas. Die neuen Nachbarn veranstalteten ein riesiges Feuerwerk. Sie ballerten Böller und Raketen in Richtung Stall, wo die Pferde in ihren Boxen standen! Um 24.00 Uhr ging das Spektakel richtig los. Miranda und Bachus drehten total ab. Es waren nicht nur die Knall-, Zisch- und Pfeifgeräusche, die die beiden nervös machten. Völlig irritiert waren sie von den bunten Lichterkugeln der Raketen, die die Pferde durch die Fenster sahen.
Ab Mitternacht verbrachte ich über eine Stunde im Stall und beruhigte die Pferde. Selbst Bachus drehte Kreise in seiner Box, dabei ist der nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen. Aber dieses Mega-Feuerwerkt, direkt vor dem Stall, war auch für unseren alten Herrn zu viel. Als denen vorne endlich die Munition ausging, kamen die Pferde langsam runter. Nun konnte ich ins Haus gehen, um mich kurz aufzuwärmen. Ich trank einen heißen Tee, den ich Gott sei dank schon vorher gekocht hatte. Es war zum Glück nicht so kalt in dieser Nacht, aber wenn man nachts eine Stunde lang auf einer Stelle steht, wird es ganz schön kalt. Das könnt ihr mir glauben. Als mir wieder etwas wärmer wurde, ging ich zurück in den Stall. Miranda war sehr dankbar, dass ich wieder bei ihr war. Sie leckte mir dankbar die Hände ab! Auch wenn viele Menschen meinen, ein Pferd könnte keine Dankbarkeit empfinden, sollten sie sich von Miranda überzeugen lassen.
Erst gegen 3.00 Uhr waren die Pferde so weit entspannt, dass ich mich traute schlafen zu gehen. Obwohl ich total müde war, konnte ich lange nicht einschlafen. Die Stunde im Stall hatte mir all meine Energie geraubt und mich auch innerlich total aufgewühlt. Tausend Gedanken wanderten durch meinen Kopf. Ich bin so dankbar, dass ich auch in ganz üblen Situationen einen beruhigenden Einfluss auf Miranda habe. Sie vertraut mir und will in meiner Nähe sein. Wieder einmal konnte ich das beobachten. Miranda wollte nicht, dass ich den Stall verließ. Wenn ich mich nur einen Schritt von meinem Platz bewegte, um zu Bachus zu schauen, drehte sie in ihrer Box wieder durch. Wenn ich bei ihr stand, kam sie merklich runter. Die ganze Zeit hatte ich natürlich Angst, die Situation würde eskalieren. Was sollte ich dann machen? Wie weit reichte mein beruhigender Einfluss auf die Tiere? Irgendwann schlief ich dann ein.
Als ich die Pferde heute morgen raus ließ, waren sie immer noch verstört. Miranda klebte wieder an mir, traute sich nicht auf die Weide zu gehen. Sie tänzelte und lief nervös im Stall herum. Bachus machte das genau so. Als sie raus auf die Weide liefen, drehten die beiden total auf. Miranda galoppiert und buckelte. Ihre Hinterbeine flogen hoch in die Luft, die Mähne und der Schweif wehten. Bachus trabte mit hoch erhobenen Kopf, was er sehr selten macht. Dabei sieht er so elegant aus, denn unser Opa hat einen richtig schönen Trab. Die Pferde mussten erst einmal den ganzen Stress der vergangenen Nacht loswerden. Schade dass ich keine Kamera dabei hatte, sonst hättet ihr unsere Rentner auch mal von einer anderen Seite erleben können.
Diese Nacht werde ich nicht so schnell vergessen. Die letzten beiden Silvester war immer alles gut. Die Pferde regten sich kaum auf, weil nicht in der Nähe geknallt wurde. Diese Nacht war absolut schlimm, für die Pferde und auch für mich. Das halten meine Nerven nicht noch einmal aus. Auf Verständnis kann ich in diesem Fall leider nicht hoffen. Dabei haben diese Leute selber Pferde. Früher war alles besser. Und diesmal ist es wirklich wahr! Hoffentlich ist es euren Tieren besser ergangen…
So friedlich war es noch am Silvestermorgen.
