Ein erfolgreiches Springpferd auf dem Gnadenhof?

Kann das sein?

Ja, es ist wahr.

Limerick ist ein erfolgreiches Springpferd. Er war in seinem Leben schon auf vielen Turnieren und sehr oft erfolgreich. Ein Sieger, der viele Jahre im Sport ging und viele Turniere für seine erfolgreiche Springreiterin gewonnen hat.

Aber was nützt das dem Wallach jetzt?

Mit 21 Jahren ist er ein seelisches Wrack und ist auf einem Gnadenhof gelandet. Der harte Leistungssport hat ihn psychisch kaputt gemacht.

Limerick zeigt Verhaltensstörungen, die mich wirklich entsetzen. Ich kann das kaum mit ansehen. Der Junge tut mir wirklich leid. In der Pferdesprache nennt man diese stereotypen Bewegungen die er zeigt: Lippen- und Zungenspiel, Kopfschlagen, Leerkauen, Holzkauen.

Das müsst ihr euch wie ein Zwang vorstellen, aus dem er nicht mehr herauskommt. Leider hat das anscheinend vor mir niemand erkannt. Es hieß, er sei ein kleine Clown, weil er so lustige Sachen mit seiner Zunge macht. Es sieht vielleicht lustig aus, wenn das Pferd mit der Zunge spielt, aber es ist ein Hilfeschrei.

Der Wallach kann sich stundenlang mit seiner Zunge beschäftigen. Wenn es ganz extrem wird, bewegt er dazu noch den Kopf auf und ab, verdreht ihn und gähnt wiederholt. Dabei hat er einen ganz irren Gesichtsausdruck. Sein Blick geht nach innen.

Als ich das das erste Mal sah, dachte ich an Schlundverstopfung oder Zahnprobleme. Peter war gerade da und ihn schockierte das Verhalten auch.

Meine Recherchen ergaben aber, dass der Wallach dieses Verhalten seit seinem 5. Lebensjahr zeigen soll. Also können wir akute gesundheitliche Probleme ausschließen. Die Zähne wurden auch gemacht, bevor er herkam.

Manchmal wird es nicht ganz so extrem. Dann steckt er die Zunge nach unten oder seitlich raus und bewegt sie.

Das traurige ist, Verhaltensstörungen, die sich aus Überforderung, Haltungs- und Umgangsfehler ergeben haben, bleiben oft bestehen, auch wenn sich die Lebensumstände des Pferde verbessert haben.

Limerick zeigt noch mehr seltsames Verhalten. Wenn ich mit Futter komme, legt er die Ohren an und duckt sich. Ich werde das alles weiter beobachten und euch berichten.

Hier ist noch ein Video über Pferde im Sport.

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Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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8 Responses to Ein erfolgreiches Springpferd auf dem Gnadenhof?

  1. Avatar von Peter Seebacher Peter Seebacher sagt:

    Er war gut genug um Erfolge zu erzielen, aber jetzt hat er ausgedient. Vorher noch der beste Freund, jetzt auf dem Gnadenhof. Immerhin hat er es jetzt gut und kann machen, was ihm gefällt.

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    • Es ist traurig. Ich sehe es auch so. Der Wallach hat ausgedient, wird weggegeben, ein neues Pferd geht auf die Turniere. Warum wird keine Verantwortung für den ehemaligen Freund und Sportpartner übernommen? Hier werden die Pferde um die 30 Jahre alt und darüber. Limerick gehört mit 21 Jahren streng genommen noch nicht zum alten Eisen. Er ist nur nicht mehr für den Sport zu gebrauchen, der ihn anscheinend krank gemacht hat.

      LG Susanne

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  2. Die Pferde werden für den Sport brutal ausgenutzt, damit die Eigentümer Geld verdienen können, aber anscheinend wissen sie nicht genug über Pferde, um solch Verhalten zu erkennen und behandeln zu lassen. Oder es ist ihnen egal, wie sich das Pferd fühlt. Solche Menschen verdienen kein Tier!

    Wenn das schon seit seinem 5. Lebensjahr so geht, also 16 Jahre unbehandelt, wird er es wohl schwer loswerden können. Er duckt sich? Vielleicht ist er geschlagen worden. Wirklich, armer Kerl! Gut, dass er jetzt bei euch ist, in der friedlich machenden Susa-Sphäre! ❤

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    • Mich wundert auch, dass mir erzählt wird Limerick hat dieses Verhalten schon seit seinem 5. Lebensjahr gezeigt. Er sei ein kleiner Clown und ich sollte mir keine Gedanken deswegen machen. Ich erkenne ganz klar eine Verhaltensstörung. So verhält sich normalerweise kein Pferd. Vielleicht sehen Pferdesportler das aber anderes und denken wirklich, sie würden nur das Beste für ihr Pferd tun? Ich weiß es wirklich nicht. Ich hoffe, dass Limerick sich in der Weidesaison ein bisschen von seinen Zwängen befreien kann. Dann hat er viel mit Grasen zu tun. Ob er das jemals wieder los wird bezweifle ich aber. Dafür besteht die Störung schon zu lange. Was mit ihm passiert ist und was dieses Verhalten ausgelöst hat wissen wir nicht. Ich habe so etwas noch nie gesehen und wir hatten seit 2011 verschiedene Pferde auf dem Hof.

      LG Susanne

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      • Professionelle Reitsportler denken zuallererst an Rentabilität, genau wie Züchter, das Tier ist Mittel zum Zweck. Es mag einige wenige Ausnahmen geben. Bei dem Ducken dachte ich an Kinder, die sich ducken, wenn man den Arm oder die Hand hebt, ein sicheres Zeichen, dass sie zuhause geschlagen werden.

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  3. Avatar von Antje H. Antje H. sagt:

    Ich verstehe leider nichts vom natürlichem Verhalten von Pferden. Das Limerick misshandelt wurde, scheint jedoch offensichtlich zu sein. Pferde sind doch eigentlich auch eher Fluchttiere. Wäre demnach nicht schon jeder Versuch sie mit Gewalt zu zwingen, über Hindernisse zu Springen eigentlich tierquälerei?

    Besteht nicht eine Möglichkeit gegen, die ehemalige Besitzerin vorzugegen (z. B. durch einen entsprechenden Aufruf auf der Pattform Change.org oä)?

    Du hättest ja durch Limerick einen Beweis, wie im Reitsport mit Tieren umgegangen wird.

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    • Ich persönlich halte Springsport für Pferde absolut nicht artgerecht. Es heißt ja von den Befürwortern, Pferde würden gern springen. Das glaube ich aber nicht. Sonst würde man Limerick ja gar nicht hinter einem Zaun halten können, wenn er so gern springen würde. Er hat das Springen gelernt und unsere Zäune sind niedriger, wie die Hindernisse über die er springen musste.

      Wir wissen nicht was mit Limerick mitgemacht hat. Wie er ausgebildet wurde, wie seine Haltungsbedingungen waren. Ob von ihm Leistungen gefordert wurden, die ihn überforderten und krank machten. Im Pferdesport gibt es Regeln. Ob die pferdegerecht sind ist eine Frage. Da ist vieles erlaubt, was ich persönlich für nicht artgerecht halte. Ob sich immer an diese Regeln gehalten wird, gerade auch beim Training der Pferde, kontrolliert niemand. Es gibt viele Auslöser für Verhaltensstörungen beim Pferd. Z.B. Boxenhaltung ohne Kontakt zu anderen Pferden, kein Weidegang nur zum Training raus, scharfe Gebisse, harte Reiterhand, Stress, usw. Wie es Limerick erging und was seine Verhaltensprobleme ausgelöst haben, wissen wir nicht. Wir können niemanden beschuldigen und möchten das auch gar nicht. Wir würden uns aber freuen, wenn Menschen im Profi Reitsport umdenken würden. Es wäre schön, wenn sie ihren erfolgreichen „ach so geliebten“ vierbeinigen Partner auch nach seiner harten Arbeit, also nach seiner nicht ganz freiwilligen Karriere, behalten und für sein Unterhalt aufkommen würden. Bei uns wurden alle Pferde 30 Jahre und älter. Limerick ist jetzt 21, eigentlich noch nicht alt für ein Pferd, aber nun ist er ein Sportinvalide und nichts mehr wert. Zu seiner besten Turnierzeit hätte man sicherlich viel Geld für ihn hinblättern müssen.  

      LG Susanne

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