Heute kommen wir zum vierten und letzten Teil unserer großen Serie über unseren 23-jährigen Irish Sport Horse Wallach Limerick. Und dieser Teil hat es in sich, denn wir werfen einen Blick auf Limericks körperliche Altlasten und die Spuren, die sein schweres Trauma im wahrsten Sinne des Wortes an unseren Stallwänden hinterlassen hat.
Wenn unser ehrenamtlicher Helfer, mit dem ich hier auf dem Gnadenhof der Tierhilfe Miranda e.V. alles instand halte den Hof betritt, lautet sein erster Satz meistens mit einem Augenzwinkern: „Na Black Beauty, was hast du heute wieder geschreddert?“ Denn Limericks heimliches Hobby im ersten Jahr war eindeutig: Totale Zerstörung.
Wenn die Trance den Stall zerlegt
Wir haben so viel repariert – Gatter, Pfeiler, Pfosten und Tore mussten wir teilweise mehrmals komplett neu aufbauen.





Das große, vierteilige Tor zum Offenstall mussten wir sogar ganz abschrauben, weil er die massiven Türflügel einfach aus den Angeln gehoben hat! Die schrauben wir erst kurz vor Silvester wieder dran, damit die Pferde in dieser stressigen Nacht sicher im geschlossenen Stall stehen können.


Der absolute Höhepunkt? Limerick hat einen dicken, tragenden Holzpfeiler direkt am Stalleingang durchgebrochen und die gesamte Wand ein Stück nach außen geschoben! Das war eine lebensgefährliche und heikle Reparatur, weil direkt über dem Eingang auch ein Fenster liegt. Wir mussten erst alles aufwendig abstützen, um den Balken überhaupt austauschen zu können.

Limerick nagte das Paddocktor an und biss Löcher in die Außenholzwände des Stalls.


An einer Seite des Paddocks biss er in den Maschendrahtzaun, zog ihn mit aller Kraft hoch. Auf der Seite zum Schafgehege knickte er einen Weidepfal um und drückte den Maschendrahtzaun runter, um an die Binsen zu kommen (die eigentlich kein Weidetier anrührt).

Mittlerweile ist fast überall eine Holzlatte draufgeschraubt. Unser Motto lautet dank meines Helfers: „Wir müssen schlauer sein als das Pferd!“

Die unheimliche Schubber-Trance und der vollgeklebte Pass
Aber warum tat er das? Die Antwort liegt in seiner zerstörten Biologie. Als wir Limericks Pferdepass zum ersten Mal aufschlugen, trauten wir unseren Augen nicht: Er war lückenlos vollgeklebt mit bunten Aufklebern von Impfstoffen. Wegen der ständigen Turnierteilnahmen wurde dieses Pferd in seinem Leben dermaßen überimpft, dass sein Stoffwechsel heute völlig ruiniert ist.
Das äußert sich in einer extremen Verhaltensstörung: Einem zwanghaften Schubbern, das nichts mit Sommerekzem zu tun hat. Wenn Limerick sich schubbert, verfällt er in eine tiefe, unheimliche Trance. Sein Kopf ist verdreht, der Blick völlig verklärt, die Augen halb geschlossen und weißer Speichel rinnt ihm aus dem Maul. In diesem Zustand war er weder durch lautes Ansprechen noch durch Geräusche aus seiner Welt herauszuholen.

Heute haben wir einen riesigen therapeutischen Durchbruch erzielt: Wenn ich mich einige Meter von ihm entfernt hinstelle, schaffe ich es, seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Ich rufe ihn sanft, locke ihn zu mir und er muss sich aktiv aus der Trance heraus zu mir hinbewegen. Als Belohnung gibt es ein Leckerli. In diesem Moment bricht die Gedankenschleife, er schluckt, nimmt seine Umgebung wieder wahr und ist zurück im Hier und Jetzt. Ein unbeschreiblicher Erfolg!
Die Narben der Vergangenheit
Limericks Körper erzählt die Geschichte seiner harten Sportkarriere. Am Hals hat er eine tiefe Beule – ein alter Muskelriss, der entweder von einer harten Reiterhand oder einer missglückten Impfung stammt. Auch am rechten Hinterbein trägt er eine bleibende Blessur: Eine deutliche Verdickung vorne am Oberschenkel, knapp oberhalb des Gelenks. Wahrscheinlich ein Erbe aus seiner Zeit als Springpferd.
Limerick hat uns unendlich viel Kraft, Nerven und handwerkliche Höchstleistungen abverlangt. Aber er zeigt uns jeden Tag, dass er sein neues Leben genießen kann. Seine Trance-Anfälle werden seltener, seine Augen klarer. Das Zungenspiel, Leerkauen, sich in Trance Schubbern nehmen immer mehr ab. Er zerstört immer noch einiges auf dem Hof, aber er genießt sein Leben.
Und genau deshalb brauchen wir euch: Die ständigen Reparaturen, das Spezialfutter für seinen ruinierten Stoffwechsel und die medizinische Begleitung reißen ein riesiges Loch in unsere Vereinskasse. Das Geld vom Spendenmarathon ist komplett in die laufenden Kosten geflossen. Bitte helft uns langfristig und werdet Futter- oder Pflegepate für unseren „Black Beauty“ Limerick! Eine Patenschaft von 50.- Euro im Monat hat er schon. Aber damit können wir den Unterhalt dieses Pferdes nicht stemmen. Schon ein kleiner monatlicher Betrag gibt uns die Sicherheit, diesen sanften Riesen auch in Zukunft zu beschützen.
Von Herzen Danke für eure Unterstützung in den letzten vier Tagen unserer Limerick-Reise! ❤️🐴












