Die Akte Limerick (Teil 4): „Black Beauty“ der Zerstörer, ein vollgeklebter Impfpass und das größte Schupper-Rätsel

Heute kommen wir zum vierten und letzten Teil unserer großen Serie über unseren 23-jährigen Irish Sport Horse Wallach Limerick. Und dieser Teil hat es in sich, denn wir werfen einen Blick auf Limericks körperliche Altlasten und die Spuren, die sein schweres Trauma im wahrsten Sinne des Wortes an unseren Stallwänden hinterlassen hat.

Wenn unser ehrenamtlicher Helfer, mit dem ich hier auf dem Gnadenhof der Tierhilfe Miranda e.V. alles instand halte den Hof betritt, lautet sein erster Satz meistens mit einem Augenzwinkern: „Na Black Beauty, was hast du heute wieder geschreddert?“ Denn Limericks heimliches Hobby im ersten Jahr war eindeutig: Totale Zerstörung.

Wenn die Trance den Stall zerlegt

Wir haben so viel repariert – Gatter, Pfeiler, Pfosten und Tore mussten wir teilweise mehrmals komplett neu aufbauen.

Ein gebrochener grauer Rohrabschnitt liegt auf grünem Gras mit gelben Blumen.
Abgebrochener Pfeiler.
Eine bunt gefärbte Skibrille, teilweise im Schnee versteckt, liegt auf einer schneebedeckten Fläche.
Noch ein abgebrochener Pfeiler.
Ein verwitterter Holzzaun, der in einer grünen Wiese steht, mit trockenem Gras im Hintergrund.
Tor eingedrückt. (Hatten wir bereits mehrmals verstärkt).
Ein verwitterter Holzzaun mit verwachsenen Pflanzen in der Ecke eines Gehöfts, neben einem Holzfass und einem sandigen Boden.
Trennwand eingedrückt.
Zwei Pferde stehen nebeneinander hinter einem Zaun. Das eine Pferd ist schwarz mit einem langen Hals, während das andere Pferd blond mit einer hellen Mähne ist. Im Hintergrund sind eine Scheune und Bäume sichtbar.
Trennwand mit Balken gesichert.

Das große, vierteilige Tor zum Offenstall mussten wir sogar ganz abschrauben, weil er die massiven Türflügel einfach aus den Angeln gehoben hat! Die schrauben wir erst kurz vor Silvester wieder dran, damit die Pferde in dieser stressigen Nacht sicher im geschlossenen Stall stehen können.

Zwei Pferde stehen hinter einem Zaun vor einem Holzgebäude, während ein Hund im Vordergrund zu sehen ist.
Stall mit Türen.
Ein Pferd, das teilweise in einem Stall steht, mit Holzverkleidung und einem blauen Lattenzaun im Vordergrund.
Stall ohne Türen.

Der absolute Höhepunkt? Limerick hat einen dicken, tragenden Holzpfeiler direkt am Stalleingang durchgebrochen und die gesamte Wand ein Stück nach außen geschoben! Das war eine lebensgefährliche und heikle Reparatur, weil direkt über dem Eingang auch ein Fenster liegt. Wir mussten erst alles aufwendig abstützen, um den Balken überhaupt austauschen zu können.

Ein älterer Mann arbeitet an der Tür eines Holzschuppens, während er sich nach vorne beugt und Werkzeuge in der Hand hält.

Limerick nagte das Paddocktor an und biss Löcher in die Außenholzwände des Stalls.

Ein beschädigter Holzzaun mit sichtbaren Rindenabplatzungen und Holzspänen.
Nahaufnahme einer Holzwand mit einem Loch und einer angeknabberten Ecke, die verschiedene Texturen des Holzes zeigt.

An einer Seite des Paddocks biss er in den Maschendrahtzaun, zog ihn mit aller Kraft hoch. Auf der Seite zum Schafgehege knickte er einen Weidepfal um und drückte den Maschendrahtzaun runter, um an die Binsen zu kommen (die eigentlich kein Weidetier anrührt).

Landschaft mit einem beschädigten Zaun, einem grünen Feld und einem Holzgebäude im Hintergrund, umgeben von Bäumen.

Mittlerweile ist fast überall eine Holzlatte draufgeschraubt. Unser Motto lautet dank meines Helfers: „Wir müssen schlauer sein als das Pferd!“

Ein Zaun umgibt eine Wiese mit hohem Gras und vereinzelten Blumen, im Hintergrund sind Bäume und ein Holzschuppen zu sehen.

Die unheimliche Schubber-Trance und der vollgeklebte Pass

Aber warum tat er das? Die Antwort liegt in seiner zerstörten Biologie. Als wir Limericks Pferdepass zum ersten Mal aufschlugen, trauten wir unseren Augen nicht: Er war lückenlos vollgeklebt mit bunten Aufklebern von Impfstoffen. Wegen der ständigen Turnierteilnahmen wurde dieses Pferd in seinem Leben dermaßen überimpft, dass sein Stoffwechsel heute völlig ruiniert ist.

Das äußert sich in einer extremen Verhaltensstörung: Einem zwanghaften Schubbern, das nichts mit Sommerekzem zu tun hat. Wenn Limerick sich schubbert, verfällt er in eine tiefe, unheimliche Trance. Sein Kopf ist verdreht, der Blick völlig verklärt, die Augen halb geschlossen und weißer Speichel rinnt ihm aus dem Maul. In diesem Zustand war er weder durch lautes Ansprechen noch durch Geräusche aus seiner Welt herauszuholen.

Eine Kuh, die teilweise hinter einem Baum steht und den Boden mit ihrem Kopf erkundet. Im Hintergrund grüne Wiese und ein Lattenzaun.

Heute haben wir einen riesigen therapeutischen Durchbruch erzielt: Wenn ich mich einige Meter von ihm entfernt hinstelle, schaffe ich es, seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Ich rufe ihn sanft, locke ihn zu mir und er muss sich aktiv aus der Trance heraus zu mir hinbewegen. Als Belohnung gibt es ein Leckerli. In diesem Moment bricht die Gedankenschleife, er schluckt, nimmt seine Umgebung wieder wahr und ist zurück im Hier und Jetzt. Ein unbeschreiblicher Erfolg!

Die Narben der Vergangenheit

Limericks Körper erzählt die Geschichte seiner harten Sportkarriere. Am Hals hat er eine tiefe Beule – ein alter Muskelriss, der entweder von einer harten Reiterhand oder einer missglückten Impfung stammt. Auch am rechten Hinterbein trägt er eine bleibende Blessur: Eine deutliche Verdickung vorne am Oberschenkel, knapp oberhalb des Gelenks. Wahrscheinlich ein Erbe aus seiner Zeit als Springpferd.

Limerick hat uns unendlich viel Kraft, Nerven und handwerkliche Höchstleistungen abverlangt. Aber er zeigt uns jeden Tag, dass er sein neues Leben genießen kann. Seine Trance-Anfälle werden seltener, seine Augen klarer. Das Zungenspiel, Leerkauen, sich in Trance Schubbern nehmen immer mehr ab. Er zerstört immer noch einiges auf dem Hof, aber er genießt sein Leben.

Und genau deshalb brauchen wir euch: Die ständigen Reparaturen, das Spezialfutter für seinen ruinierten Stoffwechsel und die medizinische Begleitung reißen ein riesiges Loch in unsere Vereinskasse. Das Geld vom Spendenmarathon ist komplett in die laufenden Kosten geflossen. Bitte helft uns langfristig und werdet Futter- oder Pflegepate für unseren „Black Beauty“ Limerick! Eine Patenschaft von 50.- Euro im Monat hat er schon. Aber damit können wir den Unterhalt dieses Pferdes nicht stemmen. Schon ein kleiner monatlicher Betrag gibt uns die Sicherheit, diesen sanften Riesen auch in Zukunft zu beschützen.

Von Herzen Danke für eure Unterstützung in den letzten vier Tagen unserer Limerick-Reise! ❤️🐴

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About Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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