Heute möchte ich euch eine Geschichte aus der Anfangszeit mit den Pferden erzählen. Am 24.06.2011 kamen die Pferde auf unseren Hof. Ich wusste nicht was mich erwartet, weil ich die Pferde vor ihrer Rettung nicht kannte. Jedes Pferd ist anders und Miranda war anfangs ganz besonders schräg drauf.
Sie kam aus einer Haltung ohne Umweltreize. Stand 20 Jahre lang, im Sommer auf der selben einsam gelegenen Weide, im Winter durchgehend im geschlossenen, fensterlosen Stall. Als sie her kam, brach praktisch ihre ganze Welt zusammen. Sie drehte bei jeder Kleinigkeit total durch.
Im Sommer 2011 war das Grünzeug auf der Weide fast zwei Meter hoch gewachsen. Es standen über fünf Jahre keine Tiere mehr auf dem Stück. Wo besonders viele Disteln und Brennesseln standen, senste ich die Weide ab. Das war eine anstrengende Arbeit, darum war ich froh, als ich Hilfe bekam. Ein Freund hatte ein paar Wochen beruflich in unserer Gegend zu tun. Wir machten den Deal aus, dass er bei uns wohnen konnte und dafür beim Sensen half.
Die Pferde waren gerade zwei Wochen bei uns. Martin wollte an dem Tag die Weide sensen und ich musste zum Einkaufen fahren. Als ich zurück kam, hörte ich Miranda laut wiehern. Sie galoppierte mit wilden Bocksprüngen auf der Weide und schrie! Ich wollte Martin fragen was los ist, aber sein Auto war nicht da. Die Stute rastete total aus und ich machte mir ernsthaft Sorgen. Diesmal war es irgendwie anders als sonst. Martin kannte sich mit Pferden aus, aber den konnte ich ja nicht fragen.
Also rief ich ihren Züchter an.
Ich sagte: „Da stimmt irgendwas nicht. Die rastet nicht nur einfach so aus. Die hat Schmerzen.“
Der Züchter hörte sich meinen Bericht an und meinte dann: „Na gut ich komme nachher rum.“
Als der Züchter endlich da war hatte Miranda sich wieder beruhigt. Sie stand ziemlich erschöpft da und bewegte sich nicht mehr. Wir gingen zum Pferd. Der Bauch gluckerte, so wie es sein musste. Die Verdauung war also in Ordnung. Der Züchter kontrollierte die Beine, alles in Ordnung. Es war einfach nichts zu finden. Der Züchter guckte mich skeptisch an.
„Die ist total ausgetickt, sie hatte große Schmerzen“, versuchte ich zu erklären.
„Woher weißt du denn das sie Schmerzen hat?“ fragte der Züchter.
„Ähhh, an ihrem Verhalten…“, antwortete ich kleinlaut. Ja woher wollte ich das eigentlich wissen? Das war mehr so ein inneres Wissen, so ein Gefühl. Ich wusste es einfach, keine Ahnung woher. Es war aber so. Das konnte ich dem Züchter aber nicht sagen. Der schaute mich jetzt schon an, als hätte ich nicht alle Latten am Zaun.
„Sie hat wirklich total rumgetobt und hat geschrien.“ War mein erneuter Versuch mich zu rechtfertigen.
Sein Blick drückte ungefähr das aus: Na das kann ja heiter werden. Die ruft mich bestimmt jedes Mal an, wenn das Pferd nur komisch guckt.
Mittlerweile war es dunkel und der Züchter fuhr nach Haus. Ich verstaute meine Einkäufe in der Küche, ging ging ins Wohnzimmer und schaltete das Licht an. Auf dem Sofa lag Martin, offensichtlich im Koma! Vor ihm auf dem Tisch stand eine halb leere Flasche Whisky. Martin begann sich langsam zu rühren.
„Du bist da? Wo ist denn dein Auto? Ich hab dich gesucht. Miranda ist abgedreht und ich wollte dich fragen. Da stimmt irgend etwas nicht. Der Züchter war gerade da!“ sabbelte ich durcheinander, weil ich so verwundert war. Martin rappelte sich langsam auf dem Sofa hoch. Er war wirklich total angetüddelt. Was war hier los? Als Martin sich etwas berappelt hatte, erzählte er mir seine Geschichte.
Als er beim sensen war, stand er mit den Füßen auf einem Erdwespen-Nest haben. Das hatte er zuerst nicht mitbekommen. Die Wespen sind von unten in seine Hosenbeine geflogen. Ehe er das merkte, hatten sie ihn schon dort hin gestochen, wo es bei einem Mann am dollsten weh tut. Martin rannte ins Haus, verfolgt von wütenden Wespen. Als er die Hose auszog, flogen noch ein paar Wespen raus.
Martin ist sofort unter die eiskalte Dusche gegangen, aber das konnte den Schmerz nicht nehmen. Also versuchte er es mit dem Whisky. Bis er schließlich in einen erlösenden Schlaf sank. Was für ein Tag, dachte ich.
Als ich am nächsten Morgen zu den Pferden schaute, war Mirandas Körper voller Stiche. Da ging mir ein Licht auf! Sie musste nach Martin auf das Wespennest getreten sein. Als sie in Bocksprüngen über die Weide lief und schrie, verfolgten sie die Biester. Also hatte sie doch Schmerzen und meine Ahnung war richtig. Die Stiche konnte man am Abend noch nicht sehen. Erst jetzt sah man ganz deutlich die geschwollenen Stellen. Ich rief sofort den Züchter an und erzählte ihm von den Wespen. Was war ich froh, den Grund für das Verhalten der Stute heraus gefunden zu haben.
Alle Anfang ist schwer…















































































































































