Ich hoffe ihr seid gut reingekommen und eure Haustiere hatten nicht so viel Stress.

Hier war es ziemlich anstrengend. Wir haben die Silvesternacht heil überstanden, aber für die Pferde war es die Hölle. Und ich bin fix und foxy.
Die Pferde standen Silvester ab 16.00 Uhr in ihren Boxen. Kurz vor Mitternacht habe ich ganz viel Heucobs und Horse Alpin Senior, mit einer Portion Mash obendrauf in die Raufen gegeben. Ein richtiges Festessen war das.
Fressen beruhigt und sollte ablenken, damit wir den schlimmsten Teil der Silvesternacht überstehen konnten.
Nielsson wollte den ganzen Abend nicht wirklich fressen. Doch er liebt Mash und das regte ihn wirklich an, ein bisschen zu muffeln. Bis um 0.00 Uhr die Hölle losbrach. Das Geböller wird wirklich von Jahr zu Jahr schlimmer. Das Dröhnen kam von überall und hörte sich furchtbar bedrohlich an. Die Hafis drehten am Rad.
Die Situation schien aus dem Ruder zu laufen, als Astron anfing den Stall zu zerlegen. Ich gab beiden Pferden noch einmal Bachblüten Notfalltropfen. Die hatten sie schon 2 x am frühen Abend bekommen. Doch leider wirkten die bei Anstron nicht so gut. Miranda konnte ich damit immer sehr schnell wieder runter bringen.
Die Jungs regten sich jedoch immer mehr auf. Astron zog Nielsson mit, der sowieso Knallgeräusche nicht gut aushält. Früher konnte Miranda Nielsson beruhigen. Jetzt verunsicherte ihn Astrons Aufregung nur noch mehr. Die Situation schaukelte sich hoch.
Ich versuchte die Pferde mit meiner Stimme zu beruhigen. Das funktionierte auch ganz gut. Da ich keine Lust hatte immer wieder „hoooo, hoooo, gaaaanz ruhig, ist alles in Ordnung, hoooo, hoooo, ruuuuhig“ zu sagen, fing ich an Astron Geschichten zu erzählen.
Denn sobald ich aufhörte zu reden, drehte der Wallach wieder durch. Ich konnte nicht von seiner Box weggehen. Dann wieherte er und wollte wieder den Stall zerlegen. Blieb ich bei ihm stehen und redete, futterte er von den Heucobs. Drehte nur mal eine Runde in der Box, fraß dann aber weiter.
Sobald ich zu Nielsson rübergehen wollte, dreht Astron durch. Also blieb ich bei ihm und erzählte Geschichten. Astrons Ruhe übertrug sich jetzt auch auf Nielsson.
„Das ist nur Silvester“, sagte ich zu Astron, „da machen die Menschen ganz viel Krach und denken nicht an euch. Früher haben sie damit die bösen Geister vertrieben. Heute ist das Tradition, sagen sie. Da wollen alle mal ordentlich Rabatz machen. Je lauter, desto besser. Der Böllerkram wird leider immer schlimmer. Jetzt gibt es Batterien. Weiß du was eine Batterie ist? Die zündet man einmal an und dann rummst es, bis 100.- Euro oder so weg sind. Weil das alle zur selben Zeit machen, klingt es als ob die Russen kommen. Ich verstehe, dass es dir große Angst macht. Aber dir passiert nichts. Da müssen wir durch. Ob wir wollen oder nicht. Bald ist es vorbei. In ungefähr einer Stunde haben sie nichts mehr zum Ballern und kein Geld mehr. Die Stunde werden wir das schon aushalten. Das schaffst du. Früher stand Miranda in deiner Box. Ihr habe ich Silvester auch immer beigestanden. Dann schaffen wir das auch. Miranda ist ja leider nicht mehr bei uns. Als sie ging, wurde ein Platz frei, den hast du bekommen. Miranda wäre sicherlich auch stolz auf dich, weil du das hier wirklich gut machst. Ich bin auf jeden Fall stolz auf dich. Ich verrate dir jetzt mal etwas. Früher habe ich auch geknallt. Da war ich noch ganz jung und wohnte in einer großen Stadt. Warst du mal in einer Stadt? Wohl eher nicht. Ich wuchs in einem Block auf. Weißt du was ein Block ist? Das ist ein ganz großes Haus, mit vielen Eingängen und noch mehr Wohnungen. In unserer Straße standen viele Blöcke hintereinander, mit Rasenflächen dazwischen und einem Spielplatz. In den Wohnblöcken wohnten Familien und ganz viele Kinder. Am Silvesterabend standen alle vor den Hauseingängen, quatschten und knallten. Die Böller hatten lustige Namen wie Piepmanschen. Piepmansche waren ganz kleine Böller und eher etwas für die Kinder. Man konnte eine ganze Matte anzünden, dann knallte es ganz oft. Oder man friemelte die kleine Knaller auseinander und brannte sie einzeln ab. Die größeren knallten mit Chinaböller, Heuler oder mit den dicken Kanonenschlägen. Die musstest anzünden und wegwerfen. Am coolsten war es, den Böller so lange in der Hand zu behalten, bis die Zündschnur fast ganz abgebrannt war. Warf man ihn dann, explodierte er in der Luft und nicht auf dem Boden. Das war gefährlich, machte aber mehr her und wer das konnte, war echt cool. Manch einer Hand tat das nicht gut. Wir waren damals Teenys und wollten cool sein. Deshalb zogen wir auch am Neujahrsmorgen durch die Straßen, um Böller zu suchen, die in der Nacht nicht explodiert waren. Fanden wir einen Blindgänger, zündeten wir die verbliebene Zündschnur an und ließen ihn krachen. Natürlich war das sehr gefährlich. Wir durften das eigentlich nicht. Heute würde ich das auch nicht mehr machen. Das kannst du mir wirklich glauben. Damals hatte ich allerhand Blödsinn im Kopf. Aber das ist schon lange her. Heute denke ich anderes darüber. Weißt du, ich finde auf dem Land sollte gar nicht geballert werden. Menschen die in der Nähe von Pferdeställen knallen, würde ich gern mal um Mitternacht zu euch in den Stall stellen. Wenn so ein Mensch ein panisches Pferd beruhigen müsste, der würde nie wieder böllern. Wir müssen das jetzt aushalten und du machst das wirklich toll. Noch gut eine halbe Stunde, dann ist es vorbei. Dann haben sie alles in die Luft gejagt und kein Geld mehr. Weißt du was toll wäre? Wenn wir einmal das Geld bekämen, was in der Silvesternacht in ganz Deutschland, verballert wird. Stell dir das mal vor. Was könnten wir Gutes tun? Wir könnten so viele Pferde aufnehmen. Wäre das nicht toll?“
Und so erzählte ich Astron eine langweilige Geschichte nach der anderen. Eine Stunde ist lang… Mein Gesabbel wirkte beruhigend und so haben wir die Silvesternacht wieder einmal überstanden.
Ich hoffe bei euch war es entspannter. Wir bauen jetzt erst einmal ein paar Bretter am Stall wieder an…













Das hast Du sehr schön erzählt. Ich glaube ich wäre auch ganz ruhig geworden;-)
Toll, wie Du diese Situationen immer meisterst.
LikeGefällt 1 Person
Langweilige Geschichten erzählen kann ich gut. 🙂
LG Susanne
LikeGefällt 1 Person
Ich kann dich sehr gut verstehen und mir wäre es auch lieber, die ganze Kohle für sinnvollere Dinge zu benutzen. Habt ihr eigentlich schon die Petition von Compact unterzeichnet? Vielleicht war das dann das letzte Mal mit Gestank und Lärm an Silvester 😏 https://aktion.campact.de/boeller-verbieten/appell/teilnehmen
LikeGefällt 2 Personen
Dein Optimismus ist schön. Aber ich glaube das Geböller geht ewig weiter. Schon allein aus wirtschaftliche Interessen. Ist doch ein Mordsgeschäft. Wer will darauf freiwillig verzichten? Bringt ja auch viel Umsatzsteuer für den Staat. Aber ich finde es toll, dass Du den Link hier gepostet hast. ❤ Wer will kann unterschreiben.
LG Susanne
LikeGefällt 2 Personen
Hier war wieder mehr los als letztes Jahr. Gerade jetzt sind welche unterwegs mit Böllern, wahrscheinlich wie wir damals, werden die Fuser gesucht und angezündet.
Die armen Rentner, und wie gut, dass deine Stimme Astron beruhigen konnte. Was für eine Nacht für euch. Gibt es Beruhigungsmittel für Pferde, die man ohne Gefahr anwenden könnte? Aber auf die Idee wärest du sicher schon selber gekommen.
LikeGefällt 1 Person
Die Knallsachen werden auch jedes Jahr lauter finde ich. Ich bin immer froh wenn Silvester vorbei ist. Eine Sedierung ist keine wirkliche Option. Sie ist erstmal gefährlich und die Wirkung kann auch nach hinten los gehen. Ich versuche es mit Rescue-Tropfen. Bei Miranda haben die immer beinahe sofort gewirkt. Bei Astron klappte das nicht so gut. Am besten wäre es wenn in der Nähe von Pferdeställen nicht geknallt wird.
LG Susanne
LikeGefällt 1 Person
Ich bin völlig deiner Meinung. Kann man in eurer Umgebung eine Kampagne machen für nächstes Mal und um Rücksicht bitten, hätte das eine Chance?
LikeGefällt 1 Person
Das hätte keine Chance. Hier haben sie sogar auf einem Hof geknallt, wo die Leute selber Pferde haben… Aber schau mal den Kommentar von Diane. Sie hat einen Link für eine Petition gegen das Knallen eingestellt.
LG Susanne
LikeGefällt 1 Person