Eigentlich verlaufen die Tage auf der Seniorenresidenz ruhig. Geradezu gemütlich und ausgeglichen. Manchmal reißt aber der nackte Wahnsinn das Ruder an sich. Dazu brauchen wir keine wirklich dramatischen Auslöser, wie z.B. der vorhergesagte Weltuntergang oder so etwas… Nein es genügen kleinere Geschehenisse.
Heute war so ein Tag. Durch die seltsame Wetterlage passierte etwas, was ich noch nie gesehen, geschweige denn gehört hatte: Mirandas Schweif war plötzlich eingefroren! Aus dem Schweif wurden im unteren drittel mehrere dicke, schwere und harte Eisstränge. Diese berühten die nichts ahnende Stute an der Hinterhand und Miranda ging durch! Als sei der Teufel hinter ihr her galoppierte sie in den Stall, wo ich gerade beim Ausmisten war. Ihr hart gefrorener Schweif wurde dabei hin und her geschleudert. Im Stall schlug er laut krachend an die Stallwände. Da gab sie noch mehr Gas, trat mit der Hinterhand weit unter und rannte im Renntempo aus dem Stall. Ich stand im Stall und bekam natürlich einen riesen Schreck!
Mit Halfter und Führstrick ging ich raus auf die Weide. Schon als ich um die Ecke kam sah ich, dass ich hier eingreifen musste. Miranda drehte immer mehr durch, weil sie ständig von ihrem eigenen Schweif angetrieben wurde. Todesmutig stellte ich mich der tobenden Stute in den Weg und sagte mit erhobenen Armen: „Hoooooo“. Sie blieb schnaufend und bebend vor mir stehen. Ich legte ihr den Halfter an und führte das vor Angst zitternde und schnaufende Pferd in den Stall. Dort brachte ich sie in ihre Box. Ich holte die Rescue-Tropfen für die wilde Dame. Da kam sie langsam wieder runter. Trotzdem gabs für den Rest des Tages Stubenarrest für die Pferde.
Mir hat nie jemand erzählt, dass der Schweif eines Pferde einfrieren kann. Miranda anscheinend auch nicht. Es lag bestimmt an dem andauernden schnellen Wechsel von Tauwetter und Frost.
Christiane sagte einmal zu mir: „Es gibt gute Tage und es gibt schlechte Tage in der Pferdehaltung. Dies war ein nicht so guter. Unsagbar froh bin ich darüber, dass mir Miranda so sehr vertraut und mir deshalb so gut gehorcht. Sonst hätte ich mit dieser hochgezüchteten Dame viel mehr Schwierigkeiten. Denn sie hat trotz ihrer 21 Jahren immer noch Pfeffer im Popo! Heute hätten wir bestimmt jedes Rennen gewonnen.





























































