Oder: Wie findet man einen Schmied, der auch kommt, wenn man ihn braucht?
Das ist manchmal schwieriger als gedacht. Das Theater fing an, als unser Schmied einen Bandscheibenvorfall bekam. Er konnte danach seinen Beruf nicht mehr ausüben. Pferde brauchen aber regelmäßige Hufpflege. Das Horn der Hufe wächst ständig nach, so ähnlich wie bei unseren Fingernägeln. Unsere Rentner bekommen alle 8 bis 10 Wochen Besuch vom Schmied. Im Winter wächst das Horn langsamer, da sind die Abstände etwas länger.
Unser alter Schmied kannte Miranda schon von Fohlen an. Er freute sich, weil ich die Stute vor dem Schlachter gerettet hatte. Darum bekamen wir bei ihm einen Tierschutzpreis. Das hatte sich leider mit dem Bandscheibenvorfall erledigt.
Ich suchte und fand Herrn Schmied Nr. 2. Der hörte aus Altersgründen auf. Beim Herrn Schmied Nr. 3 war es genau das Selbe. Wieder auf der Suche, fand ich Herrn Schmied Nr. 4. Der war viel jünger, verstand sein Handwerk und ging gut mit den Pferden um. Nur zu mir war er muffelig. Er bekam kaum die Zähne auseinander, wenn ich mal eine Frage hatte. Aber das nahm ich so hin. Er war ja nett zu den Pferden und nahm Rücksicht auf Bachus. Der aufgrund seines Alters die Beine nicht mehr lange hoch halten kann.
Dreimal klappte alles gut. Als ich Herrn Schmied Nr. 4 erneut um einen Termin bitten wollte, landete ich auf seiner Mailbox. Er rief nicht zurück. Ich weiß nicht, wie oft ich auf diese verdammte Mailbox sprach, es kam kein Rückruf. Einmal erwische ich ihn persönlich. Herr Schmied Nr.4 war gerade im Auto unterwegs und der Handy-Empfang war schlecht. Er wollte mich anrufen, sobald er angehalten hatte. Da warte ich heute noch drauf.
Im Internet entdeckte ich eine Seite von Herrn Schmied Nr.5. Der hatte auch nur eine Mailbox zur Kontaktaufnahme. Auch von ihm erhielt ich keinen Rückruf. Der Text auf dem Band lautete: „Wir melden uns auf alle Fälle bei ihnen, auch wenn es manchmal ein paar Tage dauern kann. Haben sie bitte Geduld“. Meine Geduld verflüchtigte sich immer mehr, bis ich schließlich nur noch genervt war. Mittlerweile sprach ich fast täglich den Herren Schmied aufs Band. Es tat sich nix! Und die Hufe der Pferde sahen von Tag zu Tag schlimmer aus.
Meine Hoffnung schwand dahin, da bekam ich einen Tipp: „Ruf doch mal Frau Schmied an. Mailbox! Aber Frau Schmied rief tatsächlich zurück und noch besser, sie kam gleich am nächsten Tag zu mir. Ich klagte ihr mein Leid mit den Herren Schmied. Frau Schmied hatte die selben Erfahrungen gemacht. Sie hat selbst Pferde und genau die gleichen Probleme. Sie meinte, es gibt hier zu viele Pferde und zu wenig Schmiede. Das reichte ihr irgendwann und sie machte eine Ausbildung als Hufschmiedin. Seit einem Jahr ist sie fertig und hat sich geschworen, nie so zu werden, wie ihre männlichen Kollegen.
Ich bin von den männlichen Schmieden schwer enttäuscht. Nur weil die Herren Schmied sich nicht mal meldeten, hat Miranda jetzt einen tiefen Riss im rechten Vorderhuf bekommen.
Der Riss muss langsam rauswachsen. Die Hufe müssen in dieser Zeit alle 4 Wochen geschnitten werden. Der nächste Termin steht nächste Woche an. Frau Schmied hat versprochen, dass sie auch kommen wird!


































































































