Früher wurden Pferde als Arbeitstiere gebraucht. Die Menschen hatten noch keine Maschinen. Sie setzten die Kraft der Pferde ein, um z.B. Waren zu transportieren, den Acker zu bestellen, weite Strecken zurück zu legen. Auch in großen Städten wurden Pferde gehalten. Sie zogen Kutschen, Bierwagen, Straßenbahnen und andere Gefährte. Pferde dienten als Fortbewegungsmittel und als Kriegstier. Unzählige Pferde verloren ihr Leben, in unzähligen Kriegen.
Heute hat sich das Leben der Menschen geändert. Sie brauchen kein Pferd mehr, um von A nach B zu kommen. In der Landwirtschaft und im Transportwesen haben Maschinen die Pferde ersetzt. Pferde sind heute im Sport und als Freizeitpartner für den Menschen da. Doch hat sich das Leben der Pferde dadurch verbessert? Werden sie ihrer Art entsprechend gehalten? Ist überhaupt etwas, was wir von den Pferden verlangen, artgerecht?
Die meisten Pferde stehen in warmen Ställen. Sie verbringen den größten Teil ihres Lebens in einer Box. Viele werden nur für eine Stunde zum Reiten aus der Box geholt. Einige dürfen für ein paar Stunden mit anderen Pferden auf dem Paddock stehen. Wenige dürfen für eine begrenzte Zeit auf die Weide.
Sieht so das natürliche Leben eines Pferdes aus, an das es seit Urzeiten angepasst ist? Sicher nicht und das macht Pferde krank. Sie bekommen Probleme mit den Atemwegen und dem Bewegungsapparat. Ein Pferd ist nicht zum langen Stehen gemacht, es bewegt sich ständig. Es zieht im Herdenverband, im Schritt-Tempo, über die Steppe. Schritt ist das natürliche Tempo des Pferdes. Nur wenn eine Gefahr droht, galoppiert es davon. Im Normalfall zieht es langsam und ständig grasend über die Steppe.
Wenn Pferde die Möglichkeit haben sich frei zu bewegen, zeigen sie ihr natürliches Verhalten. Wir können beobachten, dass sie einen ganz bestimmten Lebensrhythmus haben. Sie fressen ein bis zwei Stunden, dann ruhen sie ein bis zwei Stunden, dann fressen sie wieder, dann ruhen sie wieder. Das geht so weiter und zwar 24 Std. lang, also auch in der Nacht. In der Ruhephase dösen Pferde meistens im Stehen. Bis zu zweimal innerhalb 24 Std. legen sie sich für kurze Zeit zum Schlafen hin.
Was kann ein Pferd in einem Reitstall an natürlichem Verhalten ausleben?
Wir sperren es in eine Box. Ein Pferd würde nie freiwillig stundenlang auf einer Stelle stehen bleiben. In der Box steht es allein, hat keinen direkten Kontakt zu Artgenossen. Ein Pferd würde nie freiwillig den Schutz der Herde verlassen.
Der Stall ist geschlossen und warm. Pferde brauchen frische Luft. Sie haben eine empfindliche Lunge, die vom Staub und Ammoniakgehalt der Stall-Luft geschädigt wird.
Das Pferd wird zweimal täglich gefüttert. Ein Pferd muss ständig (Tag und Nacht) kleine Mengen fressen. Fresspausen sind gefährlich, es besteht die Gefahr von Koliken.
Wir füttern zu viel Kraftfutter, Heu wird eingeteilt und steht nicht ständig zur Verfügung. Die Verdauung des Pferdes braucht aber Raufutter. Es ist an karge Gräser angepasst. Gras und Heu ist die natürliche Nahrung eines Pferdes.
Wir treiben es an, um Rennen zu gewinnen und über Hindernisse zu springen. Ein Pferd galoppiert nur in Todesangst davon. Im Rennen zu laufen, ist für ein Pferd purer Stress. Die meisten Rennpferde haben Magengeschwüre. Ein Pferd würde nie freiwillig über ein Hindernis springen. Es läuft, wenn es die Möglichkeit hat, immer um ein Hindernis herum.
Ein Pferd wirklich artgerecht zu halten, ist nicht leicht. Aber jeder Reiter sollte sich über dieses Thema ein paar Gedanken machen. Besonders, wenn das Pferd gesundheitliche Probleme hat. Meistens ist eine Änderung in den Haltungsbedingungen schon die Lösung. Wenn es noch nicht zu spät ist.
Bachus meint, eine Änderung der Haltung kann wie ein Jungbrunnen sein.











































































































































