Heute morgen waren es -6 Grad und der Boden war schon gefährlich hart gefroren. Gestern Nacht gegen 23.30 Uhr, als ich das letzte Mal Heu fütterte, war das Thermometer noch im Plusbereich. Im Wetterbericht hatten sie das auch so vorhergesagt. Doch in den Morgenstunden muss es sehr angezogen haben. Die Pferde hatte ich im Offenstallbereich gelassen, weil ich Miranda ja nicht zu oft einsperren möchte. Am Morgen mussten sie raus auf die Weide gegangen sein. Der Weg zurück war für die beiden Rentner sehr anstrengend, weil der Boden sehr schwer für sie zu gehen war. Sie schnauften und stönten richtig. Ich war natürlich so was von froh, als sie wieder wohlbehalten im Stall waren. Ich schickte sie gleich in ihre Boxen und dort werden sie auch bleiben, bis der Boden wieder gut begehbar für die beiden ist.
Ich wollte die Pferde nicht zu früh einsperren, aber diesmal war es echt knapp. Damit hatte ich nicht gerechnet. Zum Glück ist alles gut gegangen. Wobei ich mir bei Bachus weniger Sorgen mache. Der alte Herr weiß ganz genau, wie er mit schwierigem Boden klar kommt. Miranda hat schon viel von ihm gelernt und geht auch vorsichtig und vernünftig. Bei ihr genügt aber schon ein kleiner Auslöser und ihre Nerven gehen mit ihr durch. Das ist mir einfach zu gefährlich. Darum bleiben die Pferde in der Box, bis der Boden aufgetaut ist.
Pferdeversorung im Winter ist anstrengend. Morgens früh als aller erstes Heu füttern, Tränken vom Eis befreien, Wassereimer schleppen, Stall ausmisten. Danach gibt es erst einen Kaffee für mich. Tagsüber immer wieder Heu Füttern, Weide abäppeln, Müsli geben, Tränken kontrollieren und auftauen. Wassereimer schleppen. Gegen 23.00 Uhr noch einmal Heu Füttern, denn die Nacht ist lang und Pferde fressen auch in dieser Zeit. Also wer glaubt das hier sei immer der reinste Spaß, hat sich ganz groß getäuscht. Dann kommen noch die Launen unserer Diva dazu, die richtig sauer wird, wenn sie länger in der Box stehen muss.
Ich schreibe hier immer wie toll alles läuft und das tut es ja auch im Großen und Ganzen. Aber es steckt eine Menge Arbeit dahinter und kostet viel Zeit. Meine Lebenenszeit, die mir niemand zurück geben kann. Es braucht außerdem viel Wissen, Geduld und Verständnis, im Umgang mit so großen Tieren. Man muss dabei immer konzentriert und aufmerksam bleiben, 100%ig bei der Sache. Der Winter fordert mir viel ab und kostet meine ganze Energie. Ich habe so gut wie KEINE Freizeit! Kann nicht lange den Hof verlassen, weil ich immer wieder die Pferde füttern und nach dem Wasser schauen muss. Meine Hände sind bei Frost schon nach kurzem Wasserkontakt vollkommen kaputt. Es tut so weh, da Creme drauf zu schmieren, weil sie so spröde sind. Habt ihr bei Dauerfrost schon mal draußen Metall angefasst? Da friert ihr sofort dran fest. Hier ist viel aus Metall, was ich anfassen muss. Die Türverrieglung der Boxen ist aus Metall, die bekomme ich mit Handschuhen nicht auf. Auch der Türgriff der Haustür ist aus Metall. Da muss ich rein, um die Wassereimer aus dem Haus, in den Stall zu schleppen. Was glaubt ihr wie viele Eimer ich nach draußen schleppe, um die Tränken der Pferde zu füllen?
Ich will hier nicht rumjammern und auch nicht meckern, denn ich mache das alles gern. Ich will nur Menschen die in der Stadt wohnen und keine Pferde versorgen müssen erklären, was der Winter für mich bedeutet. Einige scheinen zu glauben, ich mache mir hier ein schönes Leben, umgeben von meinen Tieren. Ich opfere viel für diese Tiere! Ich gehe nicht shoppen, ins Kino, Theater, zum Essen oder auf Reisen, so wie du es kannst. Ja, du weißt, dass ich dich meine! Ich versorge die Tiere – immer. Sieben Tage die Woche, auch am Sonntag, Ostern, Weihnachten und die Silvesternacht verbringe ich im Stall und stehe neben den Pferden. Das ist ein großes Opfer, denn meine Lebenszeit läuft auch ab. Den Pferden ermögliche ich, dass ihre Lebenszeit weiter läuft, denn sie sollten vor jetzt beinahe 4 Jahren geschlachtet werden – also sterben! Weil sie für ihre Besitzer unnütz waren, Geld kosteten und Mühe machten.
Wer gerne meinen Job weiter machen möchte, kann sich gern bei mir melden. Ich bezweife aber, dass es jemanden geben wird, der die Pferde versorgen möchte – immer, jeden Tag, Ostern und Weihnachten. Also sei nicht neidisch, es gibt nichts, worauf es sich lohnt neidisch zu sein. Tu lieber auch was Gutes, ohne insgeheim einen Vorteil für dich zu erhoffen. Die wirklich guten Taten sind selbstlos.