Miranda wird heute 28 Jahre alt!
Das ist ein ganz schönes Alter, für eine ausrangierte Hannoveraner Zuchtstute. Miranda ist eine der wenigen Zuchtstuten, die so ein Alter erreichen. Die meisten gehen zum Schlachter, sobald sie kein lebendiges Fohlen mehr auf die Welt bringen.
So sollte es vor 8 Jahren auch Mirandas Schicksal sein, geschlachtet zu werden. Sie war damals 20 Jahre alt und hatte zwei Totgeburten hintereinander gehabt. Deshalb war sie für ihren Züchter nichts mehr wert. Das Pferd hatte seine Schuldigkeit getan, das Pferd konnte zum Schlachter gehen.

Miranda im Mai 2011, noch bei ihrem Züchter
Pferdezucht ist ein hartes Geschäft. Jedes Jahr musste Miranda für ihren Züchter ein Fohlen zur Welt bringen, er gönnte ihr keine Erholungspause. Mit 20 Jahren machte der Körper der Stute nicht mehr mit. Obwohl Miranda selbst bei diesem besagten Züchter geboren wurde, er sie also von Fohlen auf besessen hatte, wollte er sie herzlos beim Schlachter entsorgen.

Viel zu dünn , mit viel zu langen Hufen stand sie da.
Ich rettet der Stute quasi im letzten Moment das Leben. Seitdem habe ich ihr 8 Jahre Lebenszeit geschenkt! Das habe ich nur geschafft, weil ihr mich dabei so großartig unterstützt!!! Ohne Euch im Hintergrund, wäre das alles nicht möglich gewesen. Darum nehme ich Mirandas 28. Geburtstag zum Anlass, mich ganz besonders bei EUCH ALLEN zu bedanken! Ihr seid einfach großartig!!! DANKE!!!
Liebe Miranda,
seit 8 Jahren betreue ich dich, du hattest es mir am Anfang nicht leicht gemacht. Dein Umzug nach 20 Jahren, auch noch in eine Offenstall-Haltung, brachte dich ganz schön durcheinander. Bei deinem Züchter lerntest du nicht viel kennen, warst ein altes Pferd ohne Erfahrungen. Deshalb bereitete dir alles Unbekannte Probleme und dir war so ziemlich alles fremd, was zu einem normalen Pferdeleben dazugehört.
Du flipptest bei jeder Kleinigkeit aus und ich musste zusehen, wie ich mit dir klar kam. Ein riesiges Pferd, dass mit hocherhobenem Kopf, gespannten Muskeln, einer Schweifhaltung wie ein Wildpferd, wild schnaufend und Panikaugen, neben mir immer größer wurde. Ich kam mir wie ein hilfloser Zwerg neben dir vor. Spürte deine Energie und hoffte dich unter Kontrolle halten zu können.

Seltsamerweise gehorchtest du mir, auch wenn du noch so von der Rolle warst. Irgendwie hattest du Vertrauen zu mir und auch ich lernte nach und nach dir zu vertrauen. Überwand meine Angst, stellte mich dir todesmutig in den Weg, wenn du mal wieder durchgedreht warst und dich mit deinen panischen Galoppsprüngen selbst in Gefahr brachtest. Mir war schon mulmig, wenn ich ein wild schnaufendes Pferd, mit hoch erhobenem Kopf und zum Zerreißen gespannten Muskeln, in den Stall führte.
Doch du gingst brav in deine Box, obwohl du vor Aufregung bebtest. Wie leicht hättest du dich losreißen können, aber das machtest du nie. In deiner Box kamst du langsam runter. Ich blieb so lange bei dir bis du dich beruhigt hattest. Die Auslöser für deine Panik waren meistens ganz banal. Es konnte der fremde Mensch sein, der auf der Nachbarweide vorbeikam, oder Schneeflocken, die vom Himmel fielen. Du kanntest ja nichts. Ebenso brachten dich alle möglichen Gegenstände an den Rand der Panik, die andere Pferde nicht einmal beachtet hätten.

Dein Einzug war ein großes Abenteuer für uns beide. Ich hatte so gut wie keine Erfahrung mit Pferden und war nun für dich tobendes Ross verantwortlich. Das war wirklich nicht einfach aber ich stellte mich meiner neuen Aufgabe und gab nicht auf. Nachdem ich dich aus einigen für dich gefährlichen Situationen herausgeholt hatte, merkte ich, wie dein Vertrauen zu mir wuchs. Bald reichte es, wenn du mal wieder ausgeflippt warst, dass ich nur auf der Weide erschien.
Sobald du mich sahst, kamst du zu mir gelaufen – natürlich im vollen Galopp – was mir nicht gefiel. Ich blieb aber tapfer stehen, was sollte ich auch tun, und hoffte, dass du rechtzeitig bremsen konntest, auch wenn der Boden mal wieder arg matschig war. Das klappte zum Glück immer, sonst könnte ich dir heute diese Zeilen nicht schreiben. In meiner Nähe fühltest du dich sicher und konntest allein durch meine Anwesenheit, augenblicklich entspannen. Dabei ging mir regelrecht das Herz auf, das waren so wunderbare Momente.

Zwischen uns entwickelte sich eine tiefe emotionale Verbindung. Du wurdest neugierig und konntest dich auf unbekannte Situationen einlassen. Die hattest du früher immer gemieden. Allem Fremden bist du aus dem Weg gegangen. Nun war es egal, was für seltsame Sachen ich auf die Weide schleppte. Du kamst sofort neugierig zu mir und wolltest dir alles ganz genau anschauen. Selbst mit dem Hoftruck oder dem Trecker konnten wir auf der Weide fahren, ohne dich in den Stall zu sperren. Du schautest nur kurz zu mir rüber und bliebst vollkommen entspannt.

Heute, nach 8 Jahren, kann dich kaum noch etwas aus der Ruhe bringen. Du hast gelernt den Offenstall sinnvoll zu nutzen und kommst mit deiner früher nie gekannten Freiheit wunderbar zurecht. Das hat lange gedauert aber ich habe dir dabei mit Geduld geholfen. Du gehorchst mir schon seit einigen Jahren vollkommen freiwillig. Ich brauche nicht mal mehr einen Halfter für dich. Wenn ich dich bitte, in den Stall zu gehen, folgst du mir. Genauso gehst du freiwillig in deine Box, ich brauch nur die Tür zu öffnen.

Ich bin so unendlich stolz auf dich und hoffe, dass wir noch etwas gemeinsame Zeit haben. Lass uns heute feiern meine Süße.