Da waren wir froh Silvester gut überstanden zu haben und dann knallt doch gestern Abend, irgend so ein Idiot, neben unserer Weide. Nicht nur ein paar Böller gingen in die Luft. Nein, ein richtiges Feuerwerk. Batterien von Böllern und Heulern wurden abgefeuert, mit Funkenregen und Qualm ohne Ende. Und das am 07. Januar, wo kein Mensch mit rechnen kann!
Wir sind es gewohnt, dass ein Nachbar jedes Jahr am Neujahrstag, sein Privat-Feuerwerk veranstaltet. Sobald es dunkel wird, geht´s los. Darum verbringen die Pferde aus Sicherheitsgründen, auch die Neujahrsnacht in ihren Boxen. Gestern waren sie natürlich draußen, als plötzlich ohne Vorwarnung, der Radau losging.
Die Pferde drehten durch und galoppierten auf der Koppel herum. Besonders Nielsson war vollkommen durch den Wind. Die Aufregung schaukelte sich immer mehr hoch und die Gefahr war groß, dass die Tiere durch den Zaun gehen könnten. Ich ging sofort auf die Weide und versuchte die Pferde zu beruhigen. Miranda kam durch meine Anwesenheit etwas runter, aber Nielsson blieb aufgeregt.
Es war gerade Zeit für die Abendfütterung und so versuchte ich die Pferde in den Stall zu locken. Das klappte leider nicht. Nielsson drehte auf dem Weg zum Stall immer wieder um. Er trabte panisch hin und her und Miranda folgte ihm. Das war auch für mich nicht ungefährlich. Leider hatten die Pferde keine Halfter an, sonst hätte ich sie in den Stall führen können. Ich kam nicht richtig an die aufgeregten Tiere heran, um ihnen das Halfer anzuziehen, vielmehr versuchte ich es gar nicht erst.
Denn ich hatte die Idee, mit den gefüllten Futtereimern auf die Weide zu gehen. Ich wusste ja, dass Nielsson total verfressen ist und hoffte, die Aussicht auf das Abendessen, würde ihn ruhiger werden lassen. Miranda entspannte sich schnell und blieb brav hinter ihrem Eimer stehen. Auch Nielsson futterte aus seinem Eimer, blieb aber nervös. Immer wieder ging sein Kopf hoch und er starrte in die Richtung aus der das Knallen kam. Ich konnte von hier aus leider nicht erkennen, wer diesen Scheiß veranstaltete. Ich demjenigen gern persönlich erzählt, was ich davon hielt.
Bei jedem Knall zuckte Nielsson zusammen. Die Feuerwerkskörper hatten ihm schon in der Silvesternacht große Angst gemacht. Jetzt stand er im Freien und sah die Funken und den Qualm, den der Wind in unsere Richtung trieb. Ich sprach den Wallach beruhigend an und er fraß weiter. Als die Pferde ihre Eimer geleert hatten, waren da auf einmal zwei pubertierende Jungen auf der Nachbarweide. Sie alberten herum, riefen laut und lachten, hüpften, liefen hin und her. Sofort setzte bei den gestressten Pferden wieder der Fluchtreflex ein. Sie drehten nervöse Bahnen auf der Koppel. Ich reagierte sofort, kletterte unter dem Weidezaun durch, sprang mit einem Satz über den Graben und schnappte mir die beiden Bengel.
Miranda und Nielsson standen dicht zusammengedrängt, ca. 50 Meter entfernt und beobachten mich. Ich stellte die Jungen zur Rede, fragte ob sie geknallt hätten. Die beiden behaupteten steif und fest, sie hätten nichts damit zu tun. Ein Junge fragte mich, ob ich ihn durchsuchen wollte. „Nein“, sagte ich und musste nun doch lachen. Ich glaubte ihnen, denn die beiden hätten ja Tüten voller Knallzeugs mitschleppen müssen, um so ein Feuerwerk zu veranstalten. Außerdem schienen sie ganz verständig, als ich erklärte wie verschreckt die Pferde waren.
Wer immer das gewesen war, dürfte also weniger Verstand besitzen, als ein pubertierender Jugendlicher. Herzlichen Glückwunsch, kann ich da nur sagen!
Eines konnte ich aber wieder feststellen. Das Vertrauen von Pferde kann man sich sehr schön erarbeiten, wenn man sie in bedrohlichen Situationen nicht allein lässt. Als ich etwas unbeholfen, den Rückweg über den Graben, unter den Zaun durch, zurück auf die Weide geschafft hatte. Von dieser Seite war es viel schwieriger und das es mittlerweile beinahe dunkel war, machte die Sache auch nicht besser. Da kamen die Pferde sofort zu mir. Sie waren jetzt vollkommen ruhig und folgten mir in den Stall.
Ich hatte die Situation für sie geklärt und unsere Verbindung wurde damit wieder ein Stück stärker. So kann doch auch der Größte Mist noch eine gute Seite haben.