Am 22.04.2017 verließ Giada Sizilien mit dem Flugzeug. In Düsseldorf ging es mit dem Auto weiter nach Bremen. In Bremen übernahmen Ulli und ich den Hund und brachten ihn zum Gnadenhof. Ich hatte Ulli gebeten mit mir zu fahren, da ich nicht wusste, wie Giada sich im Auto verhalten würde. Es war ja die erste Autofahrt in ihrem Leben.
Es ging aber sehr gut, nachdem ich den Hund in das Auto gehoben und geschoben hatte. Ich setzte mich mit dem Maremmano auf die Rückbank, Ulli fuhr den Wagen. Giada war zuerst etwas aufgeregt, legte sich aber nach ca. 10 Minuten hin. Sie packte ihren Kopf auf meine Beine und schlief während wir auf der Autobahn waren. Auf der Landstraße wurde sie wach und stand ab und an auf und schaute aus dem Fenster. Legte sich aber immer wieder auf meine Beine.
Ich hatte Ulli gebeten mir bei der Zusammenführung der Hunde zu helfen. Das erste Zusammentreffen von Giada mit unseren spanischen Tierschutzhunden verlief nicht so gut. Chica und Campa sind sehr soziale Hunde. Sie vertragen sich mit jeden anderen Hund. Auch mit Besucherhunden haben sie keine Probleme.

Das liegt an der Rasse, denn beides sind Meutehunde. Der Podenco wie auch der Ratonero, werden in Spanien in großen Meuten gehalten. Sie gehen gemeinsam auf die Jagd. Jeder Hund entscheidet selbständig, was seine Aufgabe dabei ist. Sie verständigen sich untereinander mit Blicken, um erfolgreich zu jagen. Es gibt dabei keinen Streit, auch nicht, wenn schließlich einer die Beute erwischt hat.

Einer hat die Beute – äh die Wurst – , der andere wartet.
Chica und Campa verhalten sich bei Hundebegegnungen sehr höflich. Sie bedrängen niemanden, sind nicht dominant, nähern sich langsam und vorsichtig. Trotzdem knurrte Giada die beiden sofort an. Giada war gerade erst 10 Monate alt, also noch ein Junghund. Chica und Campa sind alte und erfahrene Hündinnen. Eigentlich ordnet sich so ein 10 Monate junger Jungspund unter. Giada zeigte sich dominant und knurrte.
Ich hatte kein gutes Gefühl und wusste, es kommt jetzt auf ein gutes Timing an. Chica hatte sofort Angst vor dem großen, weißen Eisbären. Campa, der stolze spanische Terrier, ließ sich diese Unhöflichkeit nicht gefallen und knurrte zurück. Das war kein guter Start.

Um die Situation aufzulockern, gingen wir mit den Hunden eine Runde spazieren. So konnten sie sich auf neutralen Boden kennen lernen. Ulli bekam Chicas Leine in die Hand gedrückt, denn die wollte nicht neben dem Maremmano gehen. Ich nahm Giada und Campa und dann ging es los.

Chica sah zu, dass ihr Giada nicht zu nahe kam. War der Maremmano doch einmal neben ihr, lief sie gleich auf die andere Seite. Für Giada war es der erste Spaziergang ihres Lebens. Sie hatte genug damit zu tun, alles zu bestaunen. Gras, Erde, Sand, Büsche, Blätter, dies alles hatte sie noch nie gesehen. Dann diese Weite und keine Gitterstäbe.

Sie lief ja auch das erste Mal an der Leine. Das war schon komisch genug für sie. Man merkte ihr an, dass sie das alles nicht verstehen konnte. Als wir wieder im Haus waren ging Ulli. Die Situation war angespannt und ich wollte mich auf die Hunde konzentrieren. Damit ich rechtzeitig einschreiten konnte, falls es kritisch werden sollte.
Chica und Campa trauten Giada nicht, weil die sich so anderes verhielt. Giada war damit beschäftigt jeden einzelnen Zentimeter ihres neuen Zuhauses anzuschauen, zu beschnuppern und in ihr Gehirn einzuscannen. Anders kann man das wirklich nicht nennen. Ich hatte so ein Verhalten noch nie gesehen.

Chica und Campa fanden das auch sehr merkwürdig und schauten dem Eisbären zu. Chica traute sich die ersten Tage nicht in die Nähe von Giada. Sie blieb den ganzen Tag im Schlafzimmer. Das ist der hinterste und ruhigste Raum in unserer Wohnung. Campa war nicht eingeschüchtert, verhielt sich neutral und abwartend.

Ich griff ein paar Mal regelnd ein, wenn die Hunde sich im Haus an einer engen Stelle nicht aus dem Weg gehen konnten. Es gab aber keine Aggressionen. Nach einer Weile hatten Chica, Campa, und auch ich, uns an Giadas Verhalten gewöhnt. Wir konnten den Herdenschutzhund jetzt besser lesen.

Nun begann die Zeit des Spielens und der Annäherung der Hunde. Schnell vertrauten sie einander und wurden zu einem Rudel.


Giada musste am meisten lernen, denn für sie war alles fremd. Aber sie passte sich so wunderbar an und lernte jeden Tag dazu. Schon bald war der neue Hund ein Bestandteil der Gruppe.




Auf einmal war es so, als gehörte der Maremmano schon immer dazu.
